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Montag, 6. Februar 2012

Eine webseite für die abgeschobene Familie Meta aus Otterndorf

Die Unterstützer_innen und Freund_inn_en von Familie META aus Otterndorf haben eine webseite aufgemacht um über die Abschiebung der Familie und ihrer aktuelle Situation im Kosovo zu berichten.

                                    http://familiemeta.jimdo.com/

Der älteste Sohn der Familie hatte ein Text geschrieben, als er noch in Deutschland war:


"Ich erzähl euch eine wahre Geschichte, die  geht um Flüchtlinge.
Ich bin einer von denen, denn ich habe viel gesehen, viel erlebt. Ich lüg dich nicht an mein Freund, ich sag's dir so wie es ist.


Ist die Wahrheit, ich war sieben, acht Jahre alt und ganz plötzlich knallts: rechts, links, links rechts! Scheiße yo, was machen wir denn nun?
Meine zwei Tanten haben neben uns gewohnt, dann haben wir uns versammelt und dann, gemeinsam weg gegangen, richtung Wald. Stune später, sahen wir wie unser Haus brennt, wir wussten nicht mehr wo wir sind.


Wir waren 20, 30 Mann, laufen weiter die Straße lang, Richtung Wald, es war eiskalt, doch es schneite trotzdem weiter, kein Scheiß!
Wir haben, ein zwei Tage im Wald geschlafen, Soldaten kamen, wir sind dann weiter, weiter weg gegangen.. nach Serbien.

Tote Leichen gesehen, viel Scheiß erlebt, doch ich danke Gott, dass ich noch leb', zusammen mit meiner Familie! Mein Name ist Lumpi G, ich bin stolz auf mich, dass es mich noch gibt, ich hab echt viel erlebt.

Und dann waren wir in Serbien:So kamen wir in einer alten Schule an, wir wussten nicht mehr was wir machen, mann! Eigentlich hat ab da, mein Leben keinen Sinn gehabt! Doch durch meine Eltern hat mein Leben irgendwie einen Sinn gehabt. Wußte, Lumni  in Deutschland, werd ich Lumpi G.
In dieser Schule, haben wir ein, zwei Jahre gelebt. Es war nicht schön, aber wenigstens ein Dach über den Kopf. Gott sei Dank kam er von uns, ging fort. Wir haben überlebt, doch manche nicht, der Bruder war weg, keiner weiß wo er steckt, bis jetzt! Wir haben echt großes Glück gehabt, sonst wär ich nicht mehr da, doch ich bin da!
Es war eine schlimme Zeit, ich habe Leute ohne Arme und Beine gesehen,  das ist kein Kinderspiel, sondern die wahre Realität. Das alles hab ich miterlebt und gesehen, ich danke Gott, dass ich immer noch leb!
Schlimme Zeit, ich habe eine schlimme Vergangenheit, doch endlich ist es damit vorbei! Ich bin froh, dass ich von da weg bin, sonst hätte mein Leben da keinen Sinn.
Ich freue mich, dass ich vom Kosovo weg bin, freue mich dass alles vorbei ist! Und hier bin ich in Deutschland und jetzt hat mein Leben einen Sinn! Ich hoffe ihr schickt uns nicht zurück, wenn doch, dann hat mein Leben echt keinen Sinn.


Tut mir das bitte nicht an, Deutschland ist meine Heimat, mann!
Versteh was ich meine, Kosovo ist kein schönes Land, weil ich gesehen hab, was Kosovo mit den Menschen gemacht hat, mein Papa ist davon krank.Das alles hat Kosovo mit ihm gemacht, er hat Kopfschmerzen jeden Tag!
Der arme Mann, er tut mir so leid, Kopfschmerzen jeden Tag, er kommt nicht klar. Bitte tut uns das nicht an, schiebt uns nicht ab. Wenn doch, knall ich mich ab. Doch das will ich nicht machen, ich will in Deutschland bleiben, ich bin hier aufgewachsen!


Ich komme aus Koso und ich will nicht zurück! Was soll ich da? Da hat mein Leben keinen Sinn, weil ich da niemanden kenn! Sogar meine Muttersprache hab ich schon verlehrnt! Ja man denkt, wie geht das? Früher hab ich sowas auch gedacht, aber jetzt kenn ich das, kann besser deutsch, als meine Muttersprache, kein Scheiß. Ich sag's dir so wie ich es meine. Wenn du aufmuckst, komm ich mit nem Panzer an. Nein, Spaß!! Ich hab genug von genug von dem Scheiß, mir reicht's! Aber wenn du aufmuckst, knall ich ab! Soll ich dich umbringen? Nein! Nein! Ich bin nicht dein Feind !

Versteh was ich mein, bitte tu uns das nicht an, schiebt uns nicht ab. "



Donnerstag, 2. Februar 2012

ALARM ! Sammelabschiebung Kosovo am 07.02.2012 von Flughafen Düsseldorf

+++ALARM:+++ +++ALARM:+++ +++ALARM:+++ +++ALARM:+++


Eiskalte Abschiebung
Trotz Wintererlass in NRW (bedingter Abschiebestop in der kalten Jahreszeit) werden weiterhin Sammelabschiebungen in den Kosovo durchgeführt. Der nächste Flug geht am 07.02.12 von Düsseldorf, organisiert von FRONTEX, mit Zwischenstopp in Wien. Betroffen sind auch 10 Personen aus NRW.

Wie bei den letzten Sammelabschiebungen werden auch diesmal wieder Medienvertreter_innen und Aktivist_innen vor Ort sein.
Für Infos über Ort und Uhrzeit meldet euch bei abschiebestop@riseup.net
 
Mit Lärm, Transparenten und Flyern wollen wir im Flughafen auf die zeitgleich stattfindende Abschiebung aufmerksam machen.
Wir wollen unsere Präsenz zeigen, im Flughafen sichtbar machen, was sie so gerne unbemerkt an einem abgeschiedenen Gate abwickeln würden: Die massenweise Abschiebung von Menschen, die Verschleppung von Mitbürger_innen gegen ihren Willen, die im wahrsten Sinne des Wortes eiskalten Abschiebungen - ihre oft tödliche Abschiebemaschinerie.
Kommt eigenverantwortlich, denkt euch was aus und zeigt dem Flughafen und der Abschiebemaschine, was ihr von all dem haltet. Kommt mit Lärm und Transparenten, mit kreativen Ideen oder einfach nur so. Der Flughafen ist groß und sie hätten gerne ihre Ruhe, die sollen sie aber nicht bekommen.
Sand ins Getriebe der Abschiebemaschine!
Abschiebeflugzeuge auf den Schrotthaufen!
Jede_r hat das Recht zu bleiben und zu leben wo es ihr gefällt!
Gegen den kapitalistischen und rassistischen Normalzustand!
Kontakt zur Vernetzung gegen Abschiebung Flughafen Düsseldorf:
abschiebestop [ätt] riseup [punkt] net

_________________________

WORUM GEHT ES?
Bei den meisten Betroffenen handelt es sich um Roma, Ashkali und andere Minderheiten
Bis zu 150 Menschen sollen durch Sammelabschiebunben ihrem sozialen Umfeld entrissen werden. Sie werden unvermittelt in elendste Verhältnisse geschleudert. Als Roma im Kosovo zu leben, bedeutet absolute Verarmung, Ausschluss von medizinischer Versorgung, Unterbringung in (häufig bleiverseuchten) Flüchtlingslagern und Schutzlosigkeit gegenüber der anhaltenden rassistischen Gewalt.
Während die Betroffenheit über die antiziganistischen Progrome in Tschechien und Bulgarien kurzfristig über unsere Nachrichtensender gespült wurden, war nur unter größtem politischen Druck überhaupt ein kleiner, abgespeckter Wintererlass durchs Parlament zu kriegen. Auch wenn wir solche Erlasse für überhaupt keine Lösung halten, denn nur der sofortige Stopp aller Abschiebungen, egal wann und egal wohin kann eine Lösung sein – so sind es doch kleine Schritte, die für die Betroffenen wichtig sein können.
Im Kosovo ist es kalt, die Temperaturen sind z.T. weit unter Null, die Menschen haben keine Bleibe, in die sie kehren können. Sie werden aus Schulen, ihren Arbeitsplatz, aus Wohnungen, von ihren Freund_innen weggerissen.
Die Hälfte aller abgeschobenen Kinder hat das sogenannte Herkunftsland nie kennengelernt. Sie sind hier geboren worden und sprechen oft kein Wort der dortigen Sprache, sie werden in eine ungewisse Zukunft und ins Elend geschickt – von den staatlichen Behörden!
Abschiebung bedeutet Gewalt!
Diese Roma sind die Nachfahren der Opfer des nationalsozialistischen Rassen- und Vernichtungswahns. Dennoch verweigert Deutschland ihnen ein Bleiberecht. Der Krieg gegen Jugoslawien, den Deutschland maßgeblich vorangetrieben hat, führte erst zu der massenhaften Flucht von ethnischen Minderheiten aus dem Kosovo. Deutschland hat eine besondere Verantwortung gegenüber den Roma!

Dabei ist die bundesdeutsche Abschiebepolitik nur ein Teil einer europäischen Abschiebepolitik. Dieser Flug wird von FRONTEX organisiert.
Zunehmend werden Sammelabschiebung von dieser brutalen „Grenzschutzagentur“ durchgefüht. Wirtschaftlicher, auf europäischer Ebene, in den Irak, nach Nigeria, nach Serbien, Kosovo, Montenegro und andere.

Um wirtschaftliche, geostrategische und hegemoniale Interessen durchzusetzen wird Europa zur Festung ausgebaut. Organisationen wie Frontex kontrollieren im Auftrag der Mitgliedsstaaten militärisch hoch aufgerüstet die Außengrenzen. Tote werden dabei nicht nur billigend in Kauf genommen, sondern sind eine Folge dieser militärischen Abschottung. Und die nordafrikanischen Staaten und ihre Diktatoren dienten jahrelang als willkommene Helfer und Verbündete in dieser tödlichen Abschottungspolitik. Ob Frontex an den Außengrenzen, desaströse und tödliche Zustände in UNHCR-Flüchtlingslagern , Abschiebeknäste innerhalb und außerhalb Europas oder rassistische Sondergesetzgebung: Sie alle sind gewollte Instrumentarien einer Abschottungspolitik der Wirtschaftsmacht Europas. Abschiebungen sind dabei ein Teil dieser Politik.

Der Flughafen Düsseldorf ist nach Frankfurt/Main der zweitgrößte Abschiebeflughafen. Um Abschiebungen, „effektiver“ und „ungestörter“ ablaufen zu lassen werden häufig die so genannten Sammelabschiebungen durchgeführt. Ein gechartertes Flugzeug inklusive Flugbegleitung und Pilot_innen soll abseits des Touristengeschäfts die konsequente Umsetzung von Abschiebungen gewährleisten. Frontex organisiert zunehmend diese Flüge.
Wir werden es weiterhin nicht im Stillen geschehen lassen! Bei jeder dieser Abschiebung wollen wir vor Ort sein!
Gegen den kapitalistischen und rassistischen Normalzustand!

Kontakt zur Vernetzung gegen Abschiebung Flughafen Düsseldorf:
abschiebestop [ätt] riseup [punkt] net

Freitag, 27. Januar 2012

Kleiner Roma Sänger im Winter aus Horst nach Serbien abgeschoben.



Vorgestern morgen um 5.30 kammen kamm die Abschiebemachinerie im Lager Horst und nahm die Eltern mit ihre 6 Kinder.
Darunter der schulpflichtiger kleiner sänger vom Fest vom 14.1. und von der Veranstaltung am 19.1. in St.Pauli in der Schule.
Die familie war erst seit 1 monat in Horst und wie viele andere schulpflichtige kinder würden Ihnen nicht nur den schulbescuh verweigert, sondern auch noch bei nacht und nebel im Winter abgeschoben!
Sie würden mit den flieger nach Serbien gebracht.

Es sind mehrere Roma familien im Lager Horst aus Serbien die nach diese Erfahrung gefährdet sein müssten.
Abgeschoben Verschwinden nicht! wir bleiben in kontakt mit den familien und werden ihre situation
sichtbar machen.

Stop Abschiebungen! Allle Bleiben!


Kommt Alle am 18.2.12 im AHOI, Hafenstrasse
im Soli Tresen für die von Abschiebung bedrohten Roma
Mit Musik und Infomaterial.


Mittwoch, 25. Januar 2012

Nacht und Nebel Aktion: nach 10 Jahren Roma Familie mit Kindern in den Kosovo abgeschoben!

Am 7ten Dezember 2011, einige Tagen vor Weihnachten wurde eine gut integrierte Familie aus dem Kosovo in einer buchstäblichen "Nacht und Nebel-Aktion" aus ihrer Wohnung gerissen und abgeschoben. Die Familie Meta, die seit 10 Jahren in der Kleinstadt Otterndorf (Niedersachsen, bei Cuxhaven) wohnte wurde innerhalb von weniger Stunden im Flieger gepackt und nach Priština abgeschoben. Die achtköpfige Familie, unter anderen 6 Kindern im Alter von 8 bis 19 Jahren. Der jüngste Sohn ist in Otterndorf geboren, war noch nie im Kosovo und spricht kein Wort albanisch.
Diese unmenschliche und sogar illegale Abschiebung (einen Antrag des Rechtsanwalts auf Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis nach § 25a AufenthG wurde im November gestellt und noch nicht überprüft) hat viel Empörung und Wut bei ihren Freunden, Nachbarn und Schulkameraden ausgelöst. Mit vielen Fragen im Kopf: wie konnte das Land, ein paar Tagen vor Weihnachten, im tiefen Winter, eine Roma Familie mit 6 integrierten Kindern in den Kosovo abschieben? Wie konnte es nur passieren?
Für mehr Informationen über die Familie und die Anträge, die von politischen Gruppen und Parteien gestellt wurden, siehe unter Webseite des Flüchtlingsrat Niedersachsen. Ausserdem gibt es zum Thema Presseartikeln, Cuxhavener Nachrichten und  der Nordelbischen Zeitung.
Seit Dezember versucht ein Unterstützerkreis und den Anwalt die Entscheidung der Abschiebung zu widersprechen, damit die Familie Meta zurück nach Hause, nach Otterndorf kann. Freunde und Nachbarn haben regelmäßige Kontakte mit der Familie und berichten über eine sehr schwierige wirtschaftliche und soziale Lage. Darüber hinaus, wurden sie schon von Albanern in dem Dorf beschimpft und stehen unter Verdacht: warum waren sich geflohen, warum waren sie die ganze Zeit in Deutschland? Die Kinder wagen sich nicht mehr aus dem Haus zu laufen.
Am 20ten Januar fand in Otterndorf eine Veranstaltung statt, wo einige von uns hingegangen sind, um über die Dokumentationsreise, die wir in Serbien und Mazedonien im Sommer 2011 gemacht haben, zu berichten. Es war die Gelegenheit sich mit verschiedenen Aktivisten, Gruppen und Bürgern auszutauschen um gemeinsam gegen Abschiebungen zu kämpfen. Die Frage im Hintergrund war natürlich: wie kann Familie Meta zurück kommen?

Wie kann man eine abgeschobene Familie unterstützen und ihre Situation bekannt machen? Wie kann man Öffentlichkeitsarbeit schaffen um Druck auf die politische Ebene zu üben und die Bevölkerung zu informieren?
Eine Unterstützer_innen Gruppen von der Familie META hat sich gebildet und versucht Dokumentation zu sammeln, die Familie im Kosovo zu unterstützen, ebenfalls die Arbeit des Anwaltes. Unterschriftenlisten werden gesammelt um das Bundesland anzusprechen. Wenn Sie die Gruppe unterstützen möchten, könnt ihr euch an den Flüchtlingsrat Niedersachsen [nds@nds-fluerat.org] wenden.
Wir wünschen die Unterstützer_innen Gruppe viel Erfolg und hoffen, dass Familie Meta bald wieder in Otterndorf zurückkommen wird.   

Donnerstag, 19. Januar 2012

Abgeschobene zurück in Hamburg bei skype-Veranstaltung

Die Veranstaltung "Stopp mit dem Packen - Alle Bleiben!" fand gestern Abend in der Aula der Schule Sankt Pauli in einer sehr angenehmen Stimmung statt. Über 70 Menschen aus verschiedenen Ecken waren da und haben die Gelegenheit sich über die Situation der hier in Hamburg lebenden Familien zu informieren und auch mit Abgeschobenen aus Serbien und Mazedonien über Skype zu telefonieren.

Eine Gruppe von Roma, die zurzeit verpflichtet sind, in dem Flüchtlingslager Horst zu leben, haben den langen Weg nach Hamburg gemacht, um an die Veranstaltung teilzunehmen.




Mehrere Personen spielten tolle Musik und sangen vor dem Publikum. Eine Fotoausstellung über eine Dokumentationsreise von zwei Gruppen im Sommer 2011 wurde auch vorgestellt. Die Roma Familien, die an dem Abend teilnahmen, konnten sogar die Interessierte die Bilder ihrer Familien und Heimatstädten direkt beschreiben und ergänzen.

Die Fotoausstellung "Abgeschobene verschwinden nicht!"

Leckere Börek und Roma Spezialitäten

Die kleine Sadja vor den Bildern seiner Verwandten aus Kumanovo, Mazedonien

Tradjko und Usko beim Spielen

Postkarten für die Abgeschobene Familien


Später, im Laufe des Abends haben wir mit zwei "freiwillig" abgeschobenen Familien über Skype telefoniert. Sie sagten beide, dass der Alltag dort sehr schwierig ist und, dass die Perspektiven, Arbeitsmässig, Schulmässig sehr schlecht sind. In Mazedonien sagte ganz klar der Präsident in den Medien, dass die Roma Familien die Grenze nicht mehr überschreiten sollten, obwohl sie ja Visa Freiheit geniessen. Wenn das keine Diskriminierung ist...?



Zlatko, aus Belgrad berichtete von ständigen Beleidigungen auf der Strasse "scheiss Zigeuner" und hatte nie gedacht, dass das Leben zurück so schwierig wäre. Er meinte, es wäre viel schlimmer als vorher (als er zurück nach Deutschland kam 2010) und wüsste nicht, wie es weiter geht.



Eine Aktivistin berichtete über den Fall einer anderen Familie, die im November per Flugzeug nach Serbien abgeschoben wurde. Der Vater ist herzkrank und hat keine Medikamente mehr. Die Familie versucht, neue Papiere zu beantragen aber müssen dafür Gebühren zahlen und haben das Geld nicht. Die Tochter darf nicht zur Schule, obwohl sie minderjährig ist. Sie haben kein Haus in ihrer Heimatstadt und wohnen in einer sehr spannenden Stimmung bei Verwandten, wo es fast kein Platz gibt.

Alle Familien, die wir kennen geht es unten ganz schlecht (manche viel schlechter als andere) und wir wissen, dass es hunderte von Familien, die sich in diesen sehr sehr prekären Lebensverhältnissen befinden.

Eine gute Nachricht kam desto trotz in den letzten Tagen in Hamburg. Die Mitglieder des Petitionsausschusses haben entschieden, dass Marija und Salijana, die eine Petition in der Bürgerschaft eingereicht hatten, hier in Hamburg ihre Schule fertig machen können. Die ganze Familie darf also bis August erst mal bleiben. Ein bisschen Ruhe, nicht mehr jede Woche zur Ausländerbehörde gehen. Marija hat sich bei allen bedankt und meinte "es lohnt sich zu kämpfen" !

Danke an alle Menschen, die die Roma Gruppe und die Roma Familien unterstützt haben und auch an dem Abend gespendet haben.



Dienstag, 3. Januar 2012

Reportage über prekäre Lebensbedingungen in Serbien

Am 26ten Dezember kam bei RTL Luxemburg eine Reportage über die prekären Lebensbedingungen von Roma in Serbien. Der Journalist hat Menschen getroffen, die in Luxemburg, in Deutschland und in Frankreich gelebt haben und später abgeschoben wurden oder „freiwillig“ zurückkamen.
Diese 12 Minuten Reportage zeigt ganz gut in welche Lebensverhältnisse die Roma am Rande der Städten und der serbischen Gesellschaft leben müssen. Der Journalist unterhält sich mit Abgeschobenen aus verschiedenen Städten, mit der Repräsentantin einer Organisation die Minderheiten unterstützt und auch Vertreter der Roma Gemeinschaft.   

Die Journalisten sind unter anderen nach Smederevo gefahren und haben mit Menschen in der Roma Siedlung Krivac gesprochen. In der Reportage sieht man eine Frau, die wir während unserer Dokumentationsreise in Serbien besucht hatten und deren Situation dokumentiert. Sie ist die Mutter von 2 Menschen, die mit ihren Familien hier in Hamburg von Abschiebung bedroht sind. Die Situation in Smederevo hat sich für die Roma zwischen August und Dezember sogar verschlechtert: die Familie heizt nur, wenn sie sich Holz leisten kann und das Haus sieht wie ein Papphaus aus.




In einer Interview mit RTL erkundigte ein paar Tagen später der luxemburgische Migrationsminister Nicolas Smidt, dass die finanzielle Unterstützung für Asylbewerber in 2012 weiter abnehmen würden. Um diese Entscheidung zu rechtfertigen, erklärte er die Wille der Regierung, gegen „falsche“ Asylbewerber zu kämpfen, deren Ziel nur die Verbesserung ihrer ökonomischen Situation wäre. Dabei erwähnte er die Reportage RTLs über die prekären Lebensbedingungen von Roma in Serbien. In Reaktion zu diesem Auftritt veröffentlichte (auf französisch) die Roma Organisation Chachipe einen Artikel auf ihrer Webseite.  

Donnerstag, 15. Dezember 2011

Mobilisierung in der Gesamtschule Mümmelmannsberg und am Jungfernstieg: alle bleiben!


Am Mittwoch, den 7ten Dezember ließen Schüler, Aktivisten und Betroffenen  in dem grauen und regenden Himmel Hamburgsdutzende bunte Luftballons steigen, um auf die Massenabschiebungen von Roma aus Deutschland aufmerksam zu machen und ein Bleiberecht einzufordern. Die Aktion  „alle bleiben!“ /„I Love Bleiberecht“ Luftballons fand in der Schule Mümmelmannsberg statt und später nachmittags am Jungfernstieg. Diese Ballons wurden anlässlich der Innenministerkonferenz am 07.12.2011 in 25 verschiedenen Städten freigelassen werden. Am gleichen Tag gab es auch in Wiesbaden, der Stadt in der dieses Jahr die IMK stattfinden soll, einen Massenaufstieg von diesen Ballons.

Die Schüler und einige engagierte Lehrer der Gesamtschule Mümmelmannsberg  (Bergedorf) versammelten sich in dem Schulhof, um gemeinsam die bunte „alle bleiben“ Luftballons steigen zu lassen. Roma Kinder, die in Mümmelmannsberg seit über einem Jahr eingeschult sind und von Abschiebung bedroht sind nahmen an die Aktion teil. Schüler aus verschiedenen Ländern, die in Deutschland manchmal seit Jahren „geduldet“ sind, beteiligten sich an dem Protest und zeigen somit ihren Wille hier zu bleiben und mitzumachen.





Später am Nachmittag fand eine zweite Aktion in der Innenstadt, am Jungfernstieg statt. Trotz dem Regen ließen die Unterstützer die 99 Luftballons steigen unter dem Aufruf „Alle Roma bleiben!“ und verteilten Flyers und Informationen an die Passanten. Abgeordnete der Fraktion DIE LINKE, C. Schneider und M. Yildiz waren dabei und unterstützten die Aktion.





Abends kam einen kurzen Beitrag im Hamburg Journal (NDR) über die 99 Luftballons Aktion am Jungfernstieg und wurde am Tag darauf in der Hamburger U-Bahn aufgeführt.
Um mehr Infos, Fotos und Berichte über die deutschlandweite Luftballonaktion zur IMK, es geht hier los!



 

Donnerstag, 1. Dezember 2011

Nächste Sammelabschiebung nach Pristina, Kosovo 07.12.11

Nächste Sammelabschiebung nach Pristina, Kosovo:
Mi. 7.Dezember 2011

Kein Mensch ist illegal!
Sand ins Getriebe der Abschiebemaschinerie!

Einen Tag nach Nikolaus, am 07. Dezember, plant  NRW wieder Menschen darunter Kinder und Familien -  aus ihrem Leben zu reißen.  Es ist in diesem Jahr die siebte Sammelabschiebung von Roma aus NRW Richtung Ex-Jugoslawien.
Die Abschiebungen in eine ungewisse Zukunft bedeuten für viele: Arbeitslosigkeit - die Arbeitslosenquote von Roma beträgt fast 98% -, ein Abbruch der Schule - von vier Roma- Kindern besuchen drei keine Schule - ein Leben in Slums, Lagern und alten Fabrikhallen.

Aber auch ohne Elend im Zielland sind Abschiebungen für die Betroffenen schrecklich. Insbesondere dann, wenn sie schon seit vielen Jahren hier leben. Die Hälfte aller abgeschoben en Kinder hat das Herkunftsland nie kennengelernt. Auch wenn sei hier geboren wurden und kein Wort Serbisch oder Albanisch sprechen, werden in eine ungewisse Zukunft und ins Elend geschickt.

Diese Roma sind die Nachfahren der Opfer des nationalsozialistischen Rassen- und Vernichtungswahns. Dennoch verweigert Deutschland ihnen ein Bleiberecht. Der Krieg gegen Jugoslawien, den Deutschland maßgeblich vorangetrieben hat, führte erst zur massenhaften Flucht von ethnischen Minderheiten aus dem Kosovo. Diese wurden zwischen den Fronten zerrieben: von serbischen Nationalisten als Kanonenfutter missbraucht und von albanischen Nationalisten verfolgt und vertrieben.

Es geht nun darum, Solidarität vor Ort zu üben mit unseren Nachbarn, Mitschülerinnen und Kollegen.
Abschiebungen müssen auf allen Ebenen verhindert werden!
Wir sagen: Alle Menschen sollen leben und sich frei bewegen können, wo und wohin es ihnen gefällt!

Kontakt:

KARAWANE für die Rechte der Flüchtlinge und MigrantInnen
Wuppertal
Internet: http://thecaravan.org

Freitag, 25. November 2011

Mobilisierung mit den Roma in Cuxhaven: einen Austauschabend gegen Abschiebung



Am 24.11 fand in Cuxhaven eine Veranstaltung zum Thema Roma Abschiebungen und zu den Lebensverhältnisse der Roma in Serbien und Mazedonien. Einige von der Roma Unterstützer Gruppe aus Hamburg, die sich im letzten Sommer auf dem Weg nach Serbien und Mazedonien gemacht hatten, um vor Ort Abgeschobene zu treffen und über die Situation zu dokumentieren, sind nach Cuxhaven gefahren um ihren Bericht von der Reise vorzustellen.

Über 50 Personen haben an der Veranstaltung teilgenommen, unter anderen viele der Roma Gemeinschaft aus Cuxhaven und der Nachbarschaft. Viele von den leben hier seit 20 Jahren. Andere Familien sind seit 1 oder 2 Jahren in der Region und sind, sowie unsere FreundInnen aus Hamburg, von Abschiebung bedroht.

Wir haben die Gelegenheit gehabt, uns mit einer Roma Familie aus Serbien auszutauschen: die Familie lebt in Nordholz und die zwei Kinder sind dort eingeschult. Der kleine Slobo hat vor dem Publikum gezeigt, wie er schon gut Klarinette spielen kann. Die Familie wurde nach Nordholz transferiert wo sie eigentlich ziemlich isoliert ist. Der Vater ist hochtraumatisiert nachdem er während dem Krieg verpflichtet wurde an den Kämpfe teilzunehmen. Wer ihn nur von weitem sieht kann schon beurteilen, dass er unter schwere posttraumatische Belastungsstörung leidet.
Eine Frau einer anderen Flüchtlingsfamilie erzählt, dass sie sicht nicht mehr traut, ins Supermarkt zu gehen: um einzukaufen bekommt sie nur Gutscheine, die sie dann an der Kasse austauschen soll. Letztes Mal hat die Kassiererin ganz laut vor allen Kunden gesagt: "Es wird wegen dieser Frau lange dauern, ich muss alle diese Gutscheine umtauschen" und liess dann die andere Kunden vor.

Während der Veranstaltung wurde gemeinsam überlegt, wie eine Unterstützung der beiden Familien möglich wäre. Darüber hinaus wurde über die Öffentlichkeitsarbeit und die Sensibilisierung der Politiker eingegangen.
Die Ausstellung "Abgeschobene verschwinden nicht" wird in den nächsten Tagen in der Stadtbibliothek Cuxhavens hängen.



Wir haben uns sehr gefreut, mit den Roma und Aktivisten in Cuxhaven diesen Abend zu verbringen und sagen noch einmal unsere zentrale Forderung: ALLE ALLE ALLE BLEIBEN HIER !!!

Mittwoch, 23. November 2011

SPD Hamburg "Wir müssen Zuwanderung als Normalität begreifen" und schiebt weiterhin ab

Am Anfang dieser Woche sagte M. Neumann Innensenator Hamburgs: "Wir müssen Flagge zeigen gegen Rechtextremismus". Im Senat trafen sich Vertreter mit mehreren Migrantenverbänden und Religionsgemeinschaften im Rathaus. In diesem Rahmen wurde eine Einbürgerungskampagne vom Sozialsenator Detlef gekündigt sowie die verstärkte Einstelung von Migranten im öffentlichen Dienst. Dabei sagte er "wir müssen Zuwanderung als Normalität begreifen" (Taz.22.11.11)

Im Senat und vor den Medien stellen sich die Vertreter des Senats und des Innenministerium als Befürworter einer inklusive Integrationspolitik aber in dem Schatten, in den Sammelunterkünfte sieht es anders aus. Jede Woche werden weitere Familien aufgefordert "freiwillig" auszureisen. Wenn sie den Druck der Ausländerbehörde aushalten, werden sie von Gefangenentransporter und Polizeibeamten abgeholt und in Ländern abgeschoben, wo sie keine Zukunft haben.

Viele der Roma-Familien, die wir hier in Hamburg kennengelernt haben haben sich in der deutschen Gesellschaft integriert, indem sie sich viele Freunde gemacht haben, die Kinder jeden Tag zur Schule gehen, sich als Dolmetscher engagiert haben, sich in soziale und politische Veranstaltungen beteiligt haben.
Viele der Roma-Kindern und Jugendlichen die im Moment abgeschoben werden oder von Abschiebung bedroht sind, sind hier geboren oder haben einen Teil ihrer Kindheit/Jugend hier in Hamburg verbracht. Sie haben sich bemüht in kurzer Zeit Deutsch zu lernen, sie gehören hierhin und wollen nicht weg. Andere reden sogar kein Wort serbo-kroatisch sowie Marija und Salijana, die einen Brief an dem Petitionsausschuss geschrieben haben.



Am 3ten November wurde Talibo nach Serbien abgeschoben. Die Familie wohnt bei Verwandten, da ihr Haus zerstört wurde und sie dort nicht leben können. Sie haben mit einer Frau vor Ort gesprochen, die gemeint hat, dass Talibo erst in September zur Schule gehen können würde. Die kleine Stimme von Talibo sagte am Telefon über die vielen Kilometer, dass er seine Bücher mitgenommen hat und jetzt allein bei seiner Tante die Hausaufgaben für die Schule in Hamburg macht.
Talibor ist 7 Jahre alt, hat in wenige Monate super Deutsch gelernt und hatte Lust hier seine Kindheit weiterzuführen. Zur Schule zu gehen.

Aber Hamburg schiebt ab anstatt diese Kinder, Jugendliche und Familien eine einzige Chance auf ein besseres Leben und Integration hier zu geben. Ab wann wird es eine menschliche Migrations und Flüchtlingspolitik in Fakten und nicht nur in Worten geben?

Montag, 21. November 2011

Artikel in der TAZ Marijas Brief

18.11.2011 Hamburg

Marijas Brief

Sie ist 15, gut integriert - und ohne Zukunft in Deutschland: Die Serbin Marija Kurtic hat einen Brief an die Hamburger Abgeordneten geschrieben. Doch die stimmten gegen sie. Teil II der taz.nord-Serie über das Leben von Flüchtlingen.von Emilia Smechowski


Hat das Pech, "freiwillig" ausgereist zu sein: Marija Kurtic. Bild: Miguel Ferraz

HAMBURG | taz Sie haben sich ein Blatt Papier genommen, mit Bleistift Hilfslinien gezeichnet, bei jedem Großbuchstaben haben sie mit dem Füller einen kleinen Schnörkel gemacht, und am Ende die Linien wieder wegradiert. Dann haben sie den fertigen Brief 121 Mal kopiert und verschickt. "Liebe Abgeordnete", steht da, "wir sind Marija und Salijana Kurtic. Wir sind 15 und 18 Jahre alt." Der Brief ist eine Petition, eine Bitte an die Hamburger Politik, in Deutschland bleiben zu dürfen.

Doch auch diese Bitte wird wohl keinen Erfolg haben. Familie Kurtic Duldung ist vor einer Woche abgelaufen, ihre erste Petition hat die Hamburger Bürgerschaft schon abgelehnt, jetzt können sie jederzeit abgeschoben werden. Marija lacht, in ihren Augen glitzert es, und man fragt sich, ob das Tränen sind. Hier im Flüchtlingslager Billstedt im Hamburger Osten wohnen sie zu fünft in zwei Zimmern, der kleine Bruder ist gerade am Schlagzeug, die Eltern bei der Anwältin. "Sie wollen nichts unversucht lassen", sagt Marija. Familie Kurtic stammt aus Serbien, sie sind Roma, die Kinder wurden in Deutschland geboren. 2003 mussten sie schon einmal zurück. Sie hatten bei der Ausländerbehörde unterschrieben, dass sie "freiwillig" ausreisten, nur so war es ihnen möglich, irgendwann wieder nach Deutschland zu kommen. Wer einmal abgeschoben wurde, muss für immer wegbleiben. In den sieben Jahren in Serbien haben die Kinder kaum Serbisch gelernt, die meisten Schulleiter wollten sie nicht aufnehmen. "Es ist, als würde auf meiner Stirn immer ,Roma' stehen", sagt Marija. Einmal, auf einem Gemüsemarkt im südserbischen Leskovac, kamen zwei Männer auf sie zu. Sie boten ihren Eltern 2.000 Euro. Für beide Töchter. Ein paar Wochen später machten sie sich wieder auf nach Deutschland, "nach Hause", sagt Marija.

Seit fünf Monaten wohnen sie in diesem Flüchtlingsheim, die Kinder besuchen die Gesamtschule in Mümmelmannsberg, Marija die neunte Klasse. "Mathe und Deutsch laufen sehr gut", sagt sie, "nur Physik und Chemie machen manchmal Probleme." Oft wird sie gefragt: "Kommst du aus Rom?" Marija lacht. "Dann sage ich, ich bin Zigeunerin."

Wenn sie ihre Hausaufgaben fertig hat, nimmt sie am liebsten mit ihrer Schwester den Bus, der einmal die Stunde fährt, zum Billstedt-Center. Dann durchstreifen sie gemeinsam H&M und New Yorker, probieren Kleider an und schießen Fotos von sich. Eins hängt im Schlafzimmer über ihren Betten, sie tragen darauf bodenlange, tief ausgeschnittene Abendkleider, unter ihren Achseln hängen noch die Preisschilder.

Kindergeschrei dringt vom Hof, ihr Wohnzimmer ist vollgestellt mit alten Möbeln, die der Flüchtlingsrat besorgt hat. Von den zwei Fernsehern funktioniert einer, Marija hat das RTL-Nachmittagsprogramm zu Beginn des Besuchs auf stumm gestellt.

Sie sagt, sie fühle sich wohl hier im Heim in Billstedt. Vier Neubauten mit Laubengängen umgeben in der Mitte einen Spielplatz, etwa die Hälfte der Bewohner sind Kinder. Hier habe sie Freundinnen, auch aus Serbien, auch Schwestern, auch 15 und 18 Jahre alt. Sie gehen gemeinsam auf die Kundgebungen, die der Flüchtlingsrat organisiert. Oder auf den Hamburger Dom. Dann fahren sie auf dem "Höllenblitz" und essen Schoko-Bananen.

Es ist etwa einen Monat her, ein Mittwochabend, da saß Marija mit ihrer Familie in der Hamburger Bürgerschaft. Es hieß, sie müssten sich gedulden, ihr Petitionsantrag sei der letzte Punkt auf der Tagesordnung. Gegen 22 Uhr stellten sich Männer von der Security hinter sie, und plötzlich ging alles sehr schnell. Eine Nummer wurde aufgerufen, ein kurzes "Wer stimmt dagegen?", Hände gingen nach oben und, zack, die Petition war abgelehnt. "Ich hab' mich so anders gefühlt, die Politiker haben geguckt, als wär ich eine Gefahr für die, als würde ich sie gleich mit irgendetwas bewerfen", sagt Marija. Dass die neue Petition, die nur sie und ihre Schwester betrifft, mehr Erfolg hat, daran glaubt sie nicht mehr.

Statistiken gehen von 700 bis 1.000 Sinti und Roma aus, die in Hamburg leben und akut von Abschiebung bedroht sind. "Man merkt, dass man ständig irgendwohingedrückt wird, wo man nicht hin will", sagt Marija. Die Mutter ist in Therapie, mittlerweile greift sie zu Antidepressiva.

Regelmäßig versuchen Initiativen, ein dauerhaftes Bleiberecht für Roma durchzusetzen. Vergeblich.
Nach der Sitzung ist Marija mit ihrer Schwester zu Michael Neumann gelaufen, dem Innensenator von der SPD. Sie haben sich vor ihn gestellt und gefragt, warum sie nicht in Deutschland bleiben dürfen. Sie seien doch hier geboren, sie würden Deutsch perfekt sprechen und Serbisch fast gar nicht, sie seien doch integriert. "Aber der Neumann hat die ganze Zeit so politisch geredet, er hat nie so eine richtige Antwort gegeben, sondern Wörter benutzt, die ich nicht verstehe", sagt Marija. Dann habe er noch gesagt, dass sie ja nicht ganz plötzlich abgeschoben würden. Ein bis zwei Wochen im Voraus würde ihnen Bescheid gegeben.

Flüchtlingsgeschichten handeln immer vom Kommen, Gehen und Bleiben. Wer gehen muss und wer bleiben darf und wer sich noch gedulden muss, bis endgültig über ihn entschieden wird, das regelt das BAMF, das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. 2010 gingen bundesweit mehr als 48.000 Asylanträge über den Tisch, da kann nicht jedes Einzelschicksal angemessen abgewogen werden, auch nicht das der minderjährigen Flüchtlinge.

Wer als Kind nach Deutschland kommt, integriert sich besser, lernt schneller Deutsch, kann eine Ausbildung absolvieren oder ein Studium, arbeiten und Steuern zahlen. Laut Ausländerbehörde leben in Hamburg 1.240 Jugendliche, die sich noch im Asylverfahren befinden oder geduldet werden. Im letzten Jahr haben die deutschen Innenminister beschlossen, den gut integrierten von ihnen ein eigenes Bleiberecht zu ermöglichen. Im Juli dieses Jahres trat das neue Gesetz in Kraft. Wer sechs Jahre lang in Deutschland gelebt und "erfolgreich" die Schule besucht hat, darf bleiben, auch wenn sein Asylantrag abgelehnt wurde. Marija Kurtic hat die ersten sieben Jahre in Deutschland gelebt, doch danach sieben in Serbien. Das Gesetz kann sie nicht schützen.

"In Serbien erwartet uns nichts, außer Armut, Elend und Sorgen. Bitte geben Sie uns wenigstens die Möglichkeit, einen Abschluss zu machen und schieben Sie uns nicht vorher ab", steht in dem Brief. Darunter hat sie fein säuberlich unterschrieben.

Man könnte es auch einen Abschiedsbrief nennen

http://www.taz.de/!82211/

Donnerstag, 3. November 2011

Heute morgen würde Talibo abgeschoben!

Heute morgen kurz vor 7 Uhr würde Talibo, 7 Jahre alt, seine Schwester, seine Mutter und sein herzkranker Vater aus Hamburg nach Serbien abgeschoben.

Eine Jahr lang versuchen die Roma Unterstützerin Gruppe, der Flüchtlingsrat, die GEW Bleiberechts Gruppe, kein mensch ist illegal und viele andere Menschen mit bitten und beten, Petitionen, Härtefallkomission, Aktionen und Veröffentlichungen in allen möglichen Medien und in Gottesdiensten auf die bedrohliche Situation der Romas nach einer Abschiebung hinzuweisen.
Die Hamburger SPD versteht diese Sprache aber offensichtlich nicht und hat ein Herz aus Stein.
Heute wurde die zweite uns bekannte Romafamilie innerhalb von einer Woche abgeschoben.

Als wir heute morgen ankamen, um bei der Familie zu sein, die letzten Minuten in Hamburg, sagte mir der kleine Talibo hilfesuchend:

Ich will nicht weg!
Und umarmte mich.

mitbewohnerInnen und unterstützerInnen sehen wie die familie weg transportiert wird
Mit einem Gefangenentransporter, einer Übersetzerin und einem Arzt kamen sie, um die Familie abzuholen.

Der Vater, der herzkrank ist und große Angst vorm Fliegen hat, hatte bei der Ausländerbehörde gebeten, mindestens mit dem Bus nach Serbien fahren zu dürfen.
Auch das wurde von der Ausländerbehörde abgelehnt.
Auch wenn es viel weniger Kosten verursacht hätte.
Aber hier geht es nicht um Kosten oder um Menschen ….

Als die Familie und ihre Unterstützerinnen weinend sich verabschiedeteten und sagten wir haben Angst vorm Fliegen, antwortet der Arzt: Ich habe Medikamente dabei.
Das heißt: Mach dir keine Sorge um deine Angst, du kriegst gleich Psychopharmaka.


der gefangener transporter der die abschiebung gemacht hat
Alle Politiker, die Abschiebeentscheidungen treffen, sollten gezwungen werden, so was mit zu erleben. Jeden Morgen, in vielen Städten und Dörfern in Deutschland. Während die Mehrheit der Menschen noch träumen oder gerade aufstehen, finden im Morgengrauen, im Stillen Abschiebungen statt. In Flüchtlingsunterkünften ist es Alltag.

Wie Mitarbeiter einer interministeriellen Arbeitsgruppe aus Berlin vor Jahren zu damals geplanten und durchgeführten Abschiebungen von Romafamilien sagten:
Es handelt sich um eine Säuberungsaktion!

das leere zimmer wo die familie bis vor paar minuten gelebt hat
Diese Familie hatte sich gewünscht, keine Öffentlichkeit dabei zu haben, nur Menschen, die sie kennen. Sie hatten große Angst vor der Repression, wenn sie ankommen und es bekannt wird das sie abgeschoben wurden.
Noch dazu ist bekannt, dass auch in ihrer Heimatstadt seit einige Zeit ein Schild beim Sozialamt hängt, das sagt, dass Abgeschobene oder „freiwillig zurückgekehrte „ keinen Anspruch auf Sozialhilfe mehr haben.

Talibos auto musste nicht abgeschoben werden
Es werden leider noch mehr Abschiebungen die nächste zeit stattfinden, die Familien werden sich Unterstützung und Öffentlichkeit wünschen.

Achtet auf Ankündigungen!









Mittwoch, 26. Oktober 2011

Abschiebung im Morgengrauen in Hamburg heute , kein Film....

Heute morgen um 04.20 sind beamte der Sportalle - der Ausländerbehörde - ein Arzt - Zoll und Polizeibeamte an der Unterkunft Billstieg gekommen, wo viele Roma familien leben, und haben das Ehepaar Sacipovic aus dem schlaf zu Abschiebung abgeholt.
Frau Sacipovic die  mehrmals operiert gewesen ist , würde mehrmals als reiseunfähig erklärt auf grund ihre gesundheitliche probleme.
Es ist auch bekannt das Romas in Serbien oder Mazedonien keine medizinische versorgung ohne geld geniessen können. Ein schreckliches beispiel davon ist der Tod von Snezana in Vranja Banja vor ein Monat die in April 2011 krebskrank abgeschoben würde.

Solche kleinichkeiten interessieren aber nicht die Abschiebebehörden die trotz oder wegen dem Antrag der GAL zu Winter-Abschiebestop, versuchten, leider erfolgreich, noch schnell  paar kranke menschen abzuschieben.



Sofortige Abschiebestop für alle Romas !

Alle Romas Bleiben HIER! 

Samstag, 20. August 2011

18.8. Subotica Teil II- Eine Mutter gefangen in Serbien.

Sonja (38) spricht fließend deutsch. Wir treffen sie auf dem Markt. Unsere FreundInnen holen sie als Übersetzerin. Schon seit einem Jahr, erzählt sie uns, lebt sie bei ihrer Tante und deren Familie in Subotica. Sie reiste „freiwillig“ aus, verließ Deutschland – und damit auch ihre drei Söhne, die „zum Glück“, so sagt sie, beim Vater in Deutschland bleiben konnten. Er ist wieder verheiratet und hat durch seine neue Ehe einen legalen Aufenthalt in Deutschland. An der Grenze zwischen der EU und Serbien gaben die ungarischen Grenzsoldaten ihr einen Stempel in den Pass: „Drei Jahre Einreiseverbot für die gesamte EU“. Nachdem ihr Asylantrag abgelehnt worden war und ihre Duldung auslief, hatte sie weiterhin ohne Papiere in Deutschland gelebt. Sie hat nichts in Serbien, keinen Job, ihre Kinder sind in Deutschland und ihr Verlobter auch. Aber sie muss drei Jahre warten.


Sie will ihren Freund heiraten und mit ihm in Deutschland leben. Doch dafür muss Sonja eine Deutschprüfung bei der Deutschen Botschaft in Belgrad ablegen. Das ist mittlerweile obligatorisch für alle AusländerInnen. Um zu seinem in Deutschland ansässigen Ehepartner zu ziehen (Ehegattennachzug), muss jede/r Nicht-Deutsche/r eine Deutsch-Prüfung noch im Ausland ablegen - schriftlich und mündlich. Sonja ist nie wirklich zur Schule gegangen. Zwar hat sie sich ein wenig das kyrillische Alphabet angeeignet und zudem sich selbst ohne jeden Sprachkurs fließend deutsch beigebracht. Aber weiterhin kann sie nicht lesen oder schreiben, vor allem keine lateinischen Buchstaben. Damit fällt man bei der Deutsch-Prüfung durch und kann nicht zu seinem Ehegatten reisen.
Deutschland hat damit ein weiteres bürokratisch-rassistisches Hindernis gelegt, um die aus ihrer Sicht Unerwünschten so lang wie möglich fern zu halten.
Lesen und schreiben würde sie gern lernen. Aber wo soll sie es tun in Serbien? Woher das Geld bekommen in Serbien? Sie unterstützt ihre Tante auf dem Markt. Aber bedeutet keinen Dreifach-Verdienst, sondern eine zusätzliche Esserin – zumal der ungarische Onkel seitdem Alter von fünf Jahren an Kinderlähmung leidet und schon lange nicht mehr arbeiten kann. Vom Staat bekommen sie keine Rente, es gibt keine Krankenversicherung. Und zu allem Überfluß brannte vor zwei Jahren der Dachstuhl des kleinen Hauses und bis die Feuerwehr nach langen Minuten kam, war bereits fast alles abgebrannt. Jetzt fehlt ihnen das Geld, um das Dach neu zu decken. Notdürftig haben sie es mit Plastikplanen gegen den Regen geschützt. Die Wände weisen heute noch Brandspuren auf.

Ihre Kinder kann Sonja auch nicht besuchen, zwei weitere lange Jahre nicht.

Eine mutige Frau: Mit ihren lebhaften Augen und ihrem offenen Lachen bringt sie immer wieder zum Ausdruck, dass sie nicht aufgeben wird, bis sie an dem Ort sein kann, den sie sich wirklich „freiwillig“ ausgewählt hat.

Einen ganzen Nachmittag saßen wir zusammen und hörten zu, was unserer Freunde uns erzählten: Aus der Welt, in die die Ausländerbehörde sie schickt, behauptend auch dort sei ein menschenwürdiges Leben möglich. Und sie erzählten uns auch von ihren Träumen, in einer Welt zu leben, in der sie zum Arzt gehen können, Medikamente bekommen, eine Gesundheitsversorgung haben, in der sie mit ihren Kindern leben können, mit ihren Familien, in der sie ein Dach über dem Kopf haben, eine Wohnung haben, in der sie ihre Kinder zur Schule schicken können, in der sie schreiben und lesen lernen können – eine Welt, in der sie ein ganz normales Leben leben können. Das ist ihr größter Traum.