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Montag, 6. Februar 2012

Eine webseite für die abgeschobene Familie Meta aus Otterndorf

Die Unterstützer_innen und Freund_inn_en von Familie META aus Otterndorf haben eine webseite aufgemacht um über die Abschiebung der Familie und ihrer aktuelle Situation im Kosovo zu berichten.

                                    http://familiemeta.jimdo.com/

Der älteste Sohn der Familie hatte ein Text geschrieben, als er noch in Deutschland war:


"Ich erzähl euch eine wahre Geschichte, die  geht um Flüchtlinge.
Ich bin einer von denen, denn ich habe viel gesehen, viel erlebt. Ich lüg dich nicht an mein Freund, ich sag's dir so wie es ist.


Ist die Wahrheit, ich war sieben, acht Jahre alt und ganz plötzlich knallts: rechts, links, links rechts! Scheiße yo, was machen wir denn nun?
Meine zwei Tanten haben neben uns gewohnt, dann haben wir uns versammelt und dann, gemeinsam weg gegangen, richtung Wald. Stune später, sahen wir wie unser Haus brennt, wir wussten nicht mehr wo wir sind.


Wir waren 20, 30 Mann, laufen weiter die Straße lang, Richtung Wald, es war eiskalt, doch es schneite trotzdem weiter, kein Scheiß!
Wir haben, ein zwei Tage im Wald geschlafen, Soldaten kamen, wir sind dann weiter, weiter weg gegangen.. nach Serbien.

Tote Leichen gesehen, viel Scheiß erlebt, doch ich danke Gott, dass ich noch leb', zusammen mit meiner Familie! Mein Name ist Lumpi G, ich bin stolz auf mich, dass es mich noch gibt, ich hab echt viel erlebt.

Und dann waren wir in Serbien:So kamen wir in einer alten Schule an, wir wussten nicht mehr was wir machen, mann! Eigentlich hat ab da, mein Leben keinen Sinn gehabt! Doch durch meine Eltern hat mein Leben irgendwie einen Sinn gehabt. Wußte, Lumni  in Deutschland, werd ich Lumpi G.
In dieser Schule, haben wir ein, zwei Jahre gelebt. Es war nicht schön, aber wenigstens ein Dach über den Kopf. Gott sei Dank kam er von uns, ging fort. Wir haben überlebt, doch manche nicht, der Bruder war weg, keiner weiß wo er steckt, bis jetzt! Wir haben echt großes Glück gehabt, sonst wär ich nicht mehr da, doch ich bin da!
Es war eine schlimme Zeit, ich habe Leute ohne Arme und Beine gesehen,  das ist kein Kinderspiel, sondern die wahre Realität. Das alles hab ich miterlebt und gesehen, ich danke Gott, dass ich immer noch leb!
Schlimme Zeit, ich habe eine schlimme Vergangenheit, doch endlich ist es damit vorbei! Ich bin froh, dass ich von da weg bin, sonst hätte mein Leben da keinen Sinn.
Ich freue mich, dass ich vom Kosovo weg bin, freue mich dass alles vorbei ist! Und hier bin ich in Deutschland und jetzt hat mein Leben einen Sinn! Ich hoffe ihr schickt uns nicht zurück, wenn doch, dann hat mein Leben echt keinen Sinn.


Tut mir das bitte nicht an, Deutschland ist meine Heimat, mann!
Versteh was ich meine, Kosovo ist kein schönes Land, weil ich gesehen hab, was Kosovo mit den Menschen gemacht hat, mein Papa ist davon krank.Das alles hat Kosovo mit ihm gemacht, er hat Kopfschmerzen jeden Tag!
Der arme Mann, er tut mir so leid, Kopfschmerzen jeden Tag, er kommt nicht klar. Bitte tut uns das nicht an, schiebt uns nicht ab. Wenn doch, knall ich mich ab. Doch das will ich nicht machen, ich will in Deutschland bleiben, ich bin hier aufgewachsen!


Ich komme aus Koso und ich will nicht zurück! Was soll ich da? Da hat mein Leben keinen Sinn, weil ich da niemanden kenn! Sogar meine Muttersprache hab ich schon verlehrnt! Ja man denkt, wie geht das? Früher hab ich sowas auch gedacht, aber jetzt kenn ich das, kann besser deutsch, als meine Muttersprache, kein Scheiß. Ich sag's dir so wie ich es meine. Wenn du aufmuckst, komm ich mit nem Panzer an. Nein, Spaß!! Ich hab genug von genug von dem Scheiß, mir reicht's! Aber wenn du aufmuckst, knall ich ab! Soll ich dich umbringen? Nein! Nein! Ich bin nicht dein Feind !

Versteh was ich mein, bitte tu uns das nicht an, schiebt uns nicht ab. "



Mittwoch, 25. Januar 2012

Nacht und Nebel Aktion: nach 10 Jahren Roma Familie mit Kindern in den Kosovo abgeschoben!

Am 7ten Dezember 2011, einige Tagen vor Weihnachten wurde eine gut integrierte Familie aus dem Kosovo in einer buchstäblichen "Nacht und Nebel-Aktion" aus ihrer Wohnung gerissen und abgeschoben. Die Familie Meta, die seit 10 Jahren in der Kleinstadt Otterndorf (Niedersachsen, bei Cuxhaven) wohnte wurde innerhalb von weniger Stunden im Flieger gepackt und nach Priština abgeschoben. Die achtköpfige Familie, unter anderen 6 Kindern im Alter von 8 bis 19 Jahren. Der jüngste Sohn ist in Otterndorf geboren, war noch nie im Kosovo und spricht kein Wort albanisch.
Diese unmenschliche und sogar illegale Abschiebung (einen Antrag des Rechtsanwalts auf Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis nach § 25a AufenthG wurde im November gestellt und noch nicht überprüft) hat viel Empörung und Wut bei ihren Freunden, Nachbarn und Schulkameraden ausgelöst. Mit vielen Fragen im Kopf: wie konnte das Land, ein paar Tagen vor Weihnachten, im tiefen Winter, eine Roma Familie mit 6 integrierten Kindern in den Kosovo abschieben? Wie konnte es nur passieren?
Für mehr Informationen über die Familie und die Anträge, die von politischen Gruppen und Parteien gestellt wurden, siehe unter Webseite des Flüchtlingsrat Niedersachsen. Ausserdem gibt es zum Thema Presseartikeln, Cuxhavener Nachrichten und  der Nordelbischen Zeitung.
Seit Dezember versucht ein Unterstützerkreis und den Anwalt die Entscheidung der Abschiebung zu widersprechen, damit die Familie Meta zurück nach Hause, nach Otterndorf kann. Freunde und Nachbarn haben regelmäßige Kontakte mit der Familie und berichten über eine sehr schwierige wirtschaftliche und soziale Lage. Darüber hinaus, wurden sie schon von Albanern in dem Dorf beschimpft und stehen unter Verdacht: warum waren sich geflohen, warum waren sie die ganze Zeit in Deutschland? Die Kinder wagen sich nicht mehr aus dem Haus zu laufen.
Am 20ten Januar fand in Otterndorf eine Veranstaltung statt, wo einige von uns hingegangen sind, um über die Dokumentationsreise, die wir in Serbien und Mazedonien im Sommer 2011 gemacht haben, zu berichten. Es war die Gelegenheit sich mit verschiedenen Aktivisten, Gruppen und Bürgern auszutauschen um gemeinsam gegen Abschiebungen zu kämpfen. Die Frage im Hintergrund war natürlich: wie kann Familie Meta zurück kommen?

Wie kann man eine abgeschobene Familie unterstützen und ihre Situation bekannt machen? Wie kann man Öffentlichkeitsarbeit schaffen um Druck auf die politische Ebene zu üben und die Bevölkerung zu informieren?
Eine Unterstützer_innen Gruppen von der Familie META hat sich gebildet und versucht Dokumentation zu sammeln, die Familie im Kosovo zu unterstützen, ebenfalls die Arbeit des Anwaltes. Unterschriftenlisten werden gesammelt um das Bundesland anzusprechen. Wenn Sie die Gruppe unterstützen möchten, könnt ihr euch an den Flüchtlingsrat Niedersachsen [nds@nds-fluerat.org] wenden.
Wir wünschen die Unterstützer_innen Gruppe viel Erfolg und hoffen, dass Familie Meta bald wieder in Otterndorf zurückkommen wird.   

Freitag, 25. November 2011

Mobilisierung mit den Roma in Cuxhaven: einen Austauschabend gegen Abschiebung



Am 24.11 fand in Cuxhaven eine Veranstaltung zum Thema Roma Abschiebungen und zu den Lebensverhältnisse der Roma in Serbien und Mazedonien. Einige von der Roma Unterstützer Gruppe aus Hamburg, die sich im letzten Sommer auf dem Weg nach Serbien und Mazedonien gemacht hatten, um vor Ort Abgeschobene zu treffen und über die Situation zu dokumentieren, sind nach Cuxhaven gefahren um ihren Bericht von der Reise vorzustellen.

Über 50 Personen haben an der Veranstaltung teilgenommen, unter anderen viele der Roma Gemeinschaft aus Cuxhaven und der Nachbarschaft. Viele von den leben hier seit 20 Jahren. Andere Familien sind seit 1 oder 2 Jahren in der Region und sind, sowie unsere FreundInnen aus Hamburg, von Abschiebung bedroht.

Wir haben die Gelegenheit gehabt, uns mit einer Roma Familie aus Serbien auszutauschen: die Familie lebt in Nordholz und die zwei Kinder sind dort eingeschult. Der kleine Slobo hat vor dem Publikum gezeigt, wie er schon gut Klarinette spielen kann. Die Familie wurde nach Nordholz transferiert wo sie eigentlich ziemlich isoliert ist. Der Vater ist hochtraumatisiert nachdem er während dem Krieg verpflichtet wurde an den Kämpfe teilzunehmen. Wer ihn nur von weitem sieht kann schon beurteilen, dass er unter schwere posttraumatische Belastungsstörung leidet.
Eine Frau einer anderen Flüchtlingsfamilie erzählt, dass sie sicht nicht mehr traut, ins Supermarkt zu gehen: um einzukaufen bekommt sie nur Gutscheine, die sie dann an der Kasse austauschen soll. Letztes Mal hat die Kassiererin ganz laut vor allen Kunden gesagt: "Es wird wegen dieser Frau lange dauern, ich muss alle diese Gutscheine umtauschen" und liess dann die andere Kunden vor.

Während der Veranstaltung wurde gemeinsam überlegt, wie eine Unterstützung der beiden Familien möglich wäre. Darüber hinaus wurde über die Öffentlichkeitsarbeit und die Sensibilisierung der Politiker eingegangen.
Die Ausstellung "Abgeschobene verschwinden nicht" wird in den nächsten Tagen in der Stadtbibliothek Cuxhavens hängen.



Wir haben uns sehr gefreut, mit den Roma und Aktivisten in Cuxhaven diesen Abend zu verbringen und sagen noch einmal unsere zentrale Forderung: ALLE ALLE ALLE BLEIBEN HIER !!!

Donnerstag, 10. November 2011