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Donnerstag, 2. Februar 2012

ALARM ! Sammelabschiebung Kosovo am 07.02.2012 von Flughafen Düsseldorf

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Eiskalte Abschiebung
Trotz Wintererlass in NRW (bedingter Abschiebestop in der kalten Jahreszeit) werden weiterhin Sammelabschiebungen in den Kosovo durchgeführt. Der nächste Flug geht am 07.02.12 von Düsseldorf, organisiert von FRONTEX, mit Zwischenstopp in Wien. Betroffen sind auch 10 Personen aus NRW.

Wie bei den letzten Sammelabschiebungen werden auch diesmal wieder Medienvertreter_innen und Aktivist_innen vor Ort sein.
Für Infos über Ort und Uhrzeit meldet euch bei abschiebestop@riseup.net
 
Mit Lärm, Transparenten und Flyern wollen wir im Flughafen auf die zeitgleich stattfindende Abschiebung aufmerksam machen.
Wir wollen unsere Präsenz zeigen, im Flughafen sichtbar machen, was sie so gerne unbemerkt an einem abgeschiedenen Gate abwickeln würden: Die massenweise Abschiebung von Menschen, die Verschleppung von Mitbürger_innen gegen ihren Willen, die im wahrsten Sinne des Wortes eiskalten Abschiebungen - ihre oft tödliche Abschiebemaschinerie.
Kommt eigenverantwortlich, denkt euch was aus und zeigt dem Flughafen und der Abschiebemaschine, was ihr von all dem haltet. Kommt mit Lärm und Transparenten, mit kreativen Ideen oder einfach nur so. Der Flughafen ist groß und sie hätten gerne ihre Ruhe, die sollen sie aber nicht bekommen.
Sand ins Getriebe der Abschiebemaschine!
Abschiebeflugzeuge auf den Schrotthaufen!
Jede_r hat das Recht zu bleiben und zu leben wo es ihr gefällt!
Gegen den kapitalistischen und rassistischen Normalzustand!
Kontakt zur Vernetzung gegen Abschiebung Flughafen Düsseldorf:
abschiebestop [ätt] riseup [punkt] net

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WORUM GEHT ES?
Bei den meisten Betroffenen handelt es sich um Roma, Ashkali und andere Minderheiten
Bis zu 150 Menschen sollen durch Sammelabschiebunben ihrem sozialen Umfeld entrissen werden. Sie werden unvermittelt in elendste Verhältnisse geschleudert. Als Roma im Kosovo zu leben, bedeutet absolute Verarmung, Ausschluss von medizinischer Versorgung, Unterbringung in (häufig bleiverseuchten) Flüchtlingslagern und Schutzlosigkeit gegenüber der anhaltenden rassistischen Gewalt.
Während die Betroffenheit über die antiziganistischen Progrome in Tschechien und Bulgarien kurzfristig über unsere Nachrichtensender gespült wurden, war nur unter größtem politischen Druck überhaupt ein kleiner, abgespeckter Wintererlass durchs Parlament zu kriegen. Auch wenn wir solche Erlasse für überhaupt keine Lösung halten, denn nur der sofortige Stopp aller Abschiebungen, egal wann und egal wohin kann eine Lösung sein – so sind es doch kleine Schritte, die für die Betroffenen wichtig sein können.
Im Kosovo ist es kalt, die Temperaturen sind z.T. weit unter Null, die Menschen haben keine Bleibe, in die sie kehren können. Sie werden aus Schulen, ihren Arbeitsplatz, aus Wohnungen, von ihren Freund_innen weggerissen.
Die Hälfte aller abgeschobenen Kinder hat das sogenannte Herkunftsland nie kennengelernt. Sie sind hier geboren worden und sprechen oft kein Wort der dortigen Sprache, sie werden in eine ungewisse Zukunft und ins Elend geschickt – von den staatlichen Behörden!
Abschiebung bedeutet Gewalt!
Diese Roma sind die Nachfahren der Opfer des nationalsozialistischen Rassen- und Vernichtungswahns. Dennoch verweigert Deutschland ihnen ein Bleiberecht. Der Krieg gegen Jugoslawien, den Deutschland maßgeblich vorangetrieben hat, führte erst zu der massenhaften Flucht von ethnischen Minderheiten aus dem Kosovo. Deutschland hat eine besondere Verantwortung gegenüber den Roma!

Dabei ist die bundesdeutsche Abschiebepolitik nur ein Teil einer europäischen Abschiebepolitik. Dieser Flug wird von FRONTEX organisiert.
Zunehmend werden Sammelabschiebung von dieser brutalen „Grenzschutzagentur“ durchgefüht. Wirtschaftlicher, auf europäischer Ebene, in den Irak, nach Nigeria, nach Serbien, Kosovo, Montenegro und andere.

Um wirtschaftliche, geostrategische und hegemoniale Interessen durchzusetzen wird Europa zur Festung ausgebaut. Organisationen wie Frontex kontrollieren im Auftrag der Mitgliedsstaaten militärisch hoch aufgerüstet die Außengrenzen. Tote werden dabei nicht nur billigend in Kauf genommen, sondern sind eine Folge dieser militärischen Abschottung. Und die nordafrikanischen Staaten und ihre Diktatoren dienten jahrelang als willkommene Helfer und Verbündete in dieser tödlichen Abschottungspolitik. Ob Frontex an den Außengrenzen, desaströse und tödliche Zustände in UNHCR-Flüchtlingslagern , Abschiebeknäste innerhalb und außerhalb Europas oder rassistische Sondergesetzgebung: Sie alle sind gewollte Instrumentarien einer Abschottungspolitik der Wirtschaftsmacht Europas. Abschiebungen sind dabei ein Teil dieser Politik.

Der Flughafen Düsseldorf ist nach Frankfurt/Main der zweitgrößte Abschiebeflughafen. Um Abschiebungen, „effektiver“ und „ungestörter“ ablaufen zu lassen werden häufig die so genannten Sammelabschiebungen durchgeführt. Ein gechartertes Flugzeug inklusive Flugbegleitung und Pilot_innen soll abseits des Touristengeschäfts die konsequente Umsetzung von Abschiebungen gewährleisten. Frontex organisiert zunehmend diese Flüge.
Wir werden es weiterhin nicht im Stillen geschehen lassen! Bei jeder dieser Abschiebung wollen wir vor Ort sein!
Gegen den kapitalistischen und rassistischen Normalzustand!

Kontakt zur Vernetzung gegen Abschiebung Flughafen Düsseldorf:
abschiebestop [ätt] riseup [punkt] net

Donnerstag, 19. Januar 2012

Abgeschobene zurück in Hamburg bei skype-Veranstaltung

Die Veranstaltung "Stopp mit dem Packen - Alle Bleiben!" fand gestern Abend in der Aula der Schule Sankt Pauli in einer sehr angenehmen Stimmung statt. Über 70 Menschen aus verschiedenen Ecken waren da und haben die Gelegenheit sich über die Situation der hier in Hamburg lebenden Familien zu informieren und auch mit Abgeschobenen aus Serbien und Mazedonien über Skype zu telefonieren.

Eine Gruppe von Roma, die zurzeit verpflichtet sind, in dem Flüchtlingslager Horst zu leben, haben den langen Weg nach Hamburg gemacht, um an die Veranstaltung teilzunehmen.




Mehrere Personen spielten tolle Musik und sangen vor dem Publikum. Eine Fotoausstellung über eine Dokumentationsreise von zwei Gruppen im Sommer 2011 wurde auch vorgestellt. Die Roma Familien, die an dem Abend teilnahmen, konnten sogar die Interessierte die Bilder ihrer Familien und Heimatstädten direkt beschreiben und ergänzen.

Die Fotoausstellung "Abgeschobene verschwinden nicht!"

Leckere Börek und Roma Spezialitäten

Die kleine Sadja vor den Bildern seiner Verwandten aus Kumanovo, Mazedonien

Tradjko und Usko beim Spielen

Postkarten für die Abgeschobene Familien


Später, im Laufe des Abends haben wir mit zwei "freiwillig" abgeschobenen Familien über Skype telefoniert. Sie sagten beide, dass der Alltag dort sehr schwierig ist und, dass die Perspektiven, Arbeitsmässig, Schulmässig sehr schlecht sind. In Mazedonien sagte ganz klar der Präsident in den Medien, dass die Roma Familien die Grenze nicht mehr überschreiten sollten, obwohl sie ja Visa Freiheit geniessen. Wenn das keine Diskriminierung ist...?



Zlatko, aus Belgrad berichtete von ständigen Beleidigungen auf der Strasse "scheiss Zigeuner" und hatte nie gedacht, dass das Leben zurück so schwierig wäre. Er meinte, es wäre viel schlimmer als vorher (als er zurück nach Deutschland kam 2010) und wüsste nicht, wie es weiter geht.



Eine Aktivistin berichtete über den Fall einer anderen Familie, die im November per Flugzeug nach Serbien abgeschoben wurde. Der Vater ist herzkrank und hat keine Medikamente mehr. Die Familie versucht, neue Papiere zu beantragen aber müssen dafür Gebühren zahlen und haben das Geld nicht. Die Tochter darf nicht zur Schule, obwohl sie minderjährig ist. Sie haben kein Haus in ihrer Heimatstadt und wohnen in einer sehr spannenden Stimmung bei Verwandten, wo es fast kein Platz gibt.

Alle Familien, die wir kennen geht es unten ganz schlecht (manche viel schlechter als andere) und wir wissen, dass es hunderte von Familien, die sich in diesen sehr sehr prekären Lebensverhältnissen befinden.

Eine gute Nachricht kam desto trotz in den letzten Tagen in Hamburg. Die Mitglieder des Petitionsausschusses haben entschieden, dass Marija und Salijana, die eine Petition in der Bürgerschaft eingereicht hatten, hier in Hamburg ihre Schule fertig machen können. Die ganze Familie darf also bis August erst mal bleiben. Ein bisschen Ruhe, nicht mehr jede Woche zur Ausländerbehörde gehen. Marija hat sich bei allen bedankt und meinte "es lohnt sich zu kämpfen" !

Danke an alle Menschen, die die Roma Gruppe und die Roma Familien unterstützt haben und auch an dem Abend gespendet haben.



Montag, 21. November 2011

Artikel in der TAZ Marijas Brief

18.11.2011 Hamburg

Marijas Brief

Sie ist 15, gut integriert - und ohne Zukunft in Deutschland: Die Serbin Marija Kurtic hat einen Brief an die Hamburger Abgeordneten geschrieben. Doch die stimmten gegen sie. Teil II der taz.nord-Serie über das Leben von Flüchtlingen.von Emilia Smechowski


Hat das Pech, "freiwillig" ausgereist zu sein: Marija Kurtic. Bild: Miguel Ferraz

HAMBURG | taz Sie haben sich ein Blatt Papier genommen, mit Bleistift Hilfslinien gezeichnet, bei jedem Großbuchstaben haben sie mit dem Füller einen kleinen Schnörkel gemacht, und am Ende die Linien wieder wegradiert. Dann haben sie den fertigen Brief 121 Mal kopiert und verschickt. "Liebe Abgeordnete", steht da, "wir sind Marija und Salijana Kurtic. Wir sind 15 und 18 Jahre alt." Der Brief ist eine Petition, eine Bitte an die Hamburger Politik, in Deutschland bleiben zu dürfen.

Doch auch diese Bitte wird wohl keinen Erfolg haben. Familie Kurtic Duldung ist vor einer Woche abgelaufen, ihre erste Petition hat die Hamburger Bürgerschaft schon abgelehnt, jetzt können sie jederzeit abgeschoben werden. Marija lacht, in ihren Augen glitzert es, und man fragt sich, ob das Tränen sind. Hier im Flüchtlingslager Billstedt im Hamburger Osten wohnen sie zu fünft in zwei Zimmern, der kleine Bruder ist gerade am Schlagzeug, die Eltern bei der Anwältin. "Sie wollen nichts unversucht lassen", sagt Marija. Familie Kurtic stammt aus Serbien, sie sind Roma, die Kinder wurden in Deutschland geboren. 2003 mussten sie schon einmal zurück. Sie hatten bei der Ausländerbehörde unterschrieben, dass sie "freiwillig" ausreisten, nur so war es ihnen möglich, irgendwann wieder nach Deutschland zu kommen. Wer einmal abgeschoben wurde, muss für immer wegbleiben. In den sieben Jahren in Serbien haben die Kinder kaum Serbisch gelernt, die meisten Schulleiter wollten sie nicht aufnehmen. "Es ist, als würde auf meiner Stirn immer ,Roma' stehen", sagt Marija. Einmal, auf einem Gemüsemarkt im südserbischen Leskovac, kamen zwei Männer auf sie zu. Sie boten ihren Eltern 2.000 Euro. Für beide Töchter. Ein paar Wochen später machten sie sich wieder auf nach Deutschland, "nach Hause", sagt Marija.

Seit fünf Monaten wohnen sie in diesem Flüchtlingsheim, die Kinder besuchen die Gesamtschule in Mümmelmannsberg, Marija die neunte Klasse. "Mathe und Deutsch laufen sehr gut", sagt sie, "nur Physik und Chemie machen manchmal Probleme." Oft wird sie gefragt: "Kommst du aus Rom?" Marija lacht. "Dann sage ich, ich bin Zigeunerin."

Wenn sie ihre Hausaufgaben fertig hat, nimmt sie am liebsten mit ihrer Schwester den Bus, der einmal die Stunde fährt, zum Billstedt-Center. Dann durchstreifen sie gemeinsam H&M und New Yorker, probieren Kleider an und schießen Fotos von sich. Eins hängt im Schlafzimmer über ihren Betten, sie tragen darauf bodenlange, tief ausgeschnittene Abendkleider, unter ihren Achseln hängen noch die Preisschilder.

Kindergeschrei dringt vom Hof, ihr Wohnzimmer ist vollgestellt mit alten Möbeln, die der Flüchtlingsrat besorgt hat. Von den zwei Fernsehern funktioniert einer, Marija hat das RTL-Nachmittagsprogramm zu Beginn des Besuchs auf stumm gestellt.

Sie sagt, sie fühle sich wohl hier im Heim in Billstedt. Vier Neubauten mit Laubengängen umgeben in der Mitte einen Spielplatz, etwa die Hälfte der Bewohner sind Kinder. Hier habe sie Freundinnen, auch aus Serbien, auch Schwestern, auch 15 und 18 Jahre alt. Sie gehen gemeinsam auf die Kundgebungen, die der Flüchtlingsrat organisiert. Oder auf den Hamburger Dom. Dann fahren sie auf dem "Höllenblitz" und essen Schoko-Bananen.

Es ist etwa einen Monat her, ein Mittwochabend, da saß Marija mit ihrer Familie in der Hamburger Bürgerschaft. Es hieß, sie müssten sich gedulden, ihr Petitionsantrag sei der letzte Punkt auf der Tagesordnung. Gegen 22 Uhr stellten sich Männer von der Security hinter sie, und plötzlich ging alles sehr schnell. Eine Nummer wurde aufgerufen, ein kurzes "Wer stimmt dagegen?", Hände gingen nach oben und, zack, die Petition war abgelehnt. "Ich hab' mich so anders gefühlt, die Politiker haben geguckt, als wär ich eine Gefahr für die, als würde ich sie gleich mit irgendetwas bewerfen", sagt Marija. Dass die neue Petition, die nur sie und ihre Schwester betrifft, mehr Erfolg hat, daran glaubt sie nicht mehr.

Statistiken gehen von 700 bis 1.000 Sinti und Roma aus, die in Hamburg leben und akut von Abschiebung bedroht sind. "Man merkt, dass man ständig irgendwohingedrückt wird, wo man nicht hin will", sagt Marija. Die Mutter ist in Therapie, mittlerweile greift sie zu Antidepressiva.

Regelmäßig versuchen Initiativen, ein dauerhaftes Bleiberecht für Roma durchzusetzen. Vergeblich.
Nach der Sitzung ist Marija mit ihrer Schwester zu Michael Neumann gelaufen, dem Innensenator von der SPD. Sie haben sich vor ihn gestellt und gefragt, warum sie nicht in Deutschland bleiben dürfen. Sie seien doch hier geboren, sie würden Deutsch perfekt sprechen und Serbisch fast gar nicht, sie seien doch integriert. "Aber der Neumann hat die ganze Zeit so politisch geredet, er hat nie so eine richtige Antwort gegeben, sondern Wörter benutzt, die ich nicht verstehe", sagt Marija. Dann habe er noch gesagt, dass sie ja nicht ganz plötzlich abgeschoben würden. Ein bis zwei Wochen im Voraus würde ihnen Bescheid gegeben.

Flüchtlingsgeschichten handeln immer vom Kommen, Gehen und Bleiben. Wer gehen muss und wer bleiben darf und wer sich noch gedulden muss, bis endgültig über ihn entschieden wird, das regelt das BAMF, das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. 2010 gingen bundesweit mehr als 48.000 Asylanträge über den Tisch, da kann nicht jedes Einzelschicksal angemessen abgewogen werden, auch nicht das der minderjährigen Flüchtlinge.

Wer als Kind nach Deutschland kommt, integriert sich besser, lernt schneller Deutsch, kann eine Ausbildung absolvieren oder ein Studium, arbeiten und Steuern zahlen. Laut Ausländerbehörde leben in Hamburg 1.240 Jugendliche, die sich noch im Asylverfahren befinden oder geduldet werden. Im letzten Jahr haben die deutschen Innenminister beschlossen, den gut integrierten von ihnen ein eigenes Bleiberecht zu ermöglichen. Im Juli dieses Jahres trat das neue Gesetz in Kraft. Wer sechs Jahre lang in Deutschland gelebt und "erfolgreich" die Schule besucht hat, darf bleiben, auch wenn sein Asylantrag abgelehnt wurde. Marija Kurtic hat die ersten sieben Jahre in Deutschland gelebt, doch danach sieben in Serbien. Das Gesetz kann sie nicht schützen.

"In Serbien erwartet uns nichts, außer Armut, Elend und Sorgen. Bitte geben Sie uns wenigstens die Möglichkeit, einen Abschluss zu machen und schieben Sie uns nicht vorher ab", steht in dem Brief. Darunter hat sie fein säuberlich unterschrieben.

Man könnte es auch einen Abschiedsbrief nennen

http://www.taz.de/!82211/

Freitag, 1. Juli 2011

Freitag, 24. Juni 2011

Film der Elternschule Mümmelmansberg

Das Schicksal der zur Zeit von Abschiebung bedrohten Roma-Familien bewegt die BesucherInnen der
Elternchule Mümmelmannsberg sehr. In Eigeninitiative haben einigen Frauen einen Film zur Situation

dieser Familien zusammengestellt.

ALLE FAMILIEN BLEIBEN !!


Hier geht's zur Video !!

Mittwoch, 22. Juni 2011

Wie die Duldung bei der Ausländerbehörde als Terrormittel verwendet wird

Dienstag, 9 uhr morgens. Spaldingstrasse in Hamburg. Die Strasse kennt jeder Ausländer, der in Hamburg mal war. Da sitzt die Ausländerbehörde und seine nette Mitarbeiter.

An diesem morgen haben 5 Familien einen Termin bei Sachbearbeiter zur Verlängerung ihrer Duldungen. Der Petitionsausschuss hat noch nichts entschieden, insofern gilt noch die Petitionsduldung.
Die ersten Familien kommen raus mit einer Duldung bis zum 30 Juni. Nicht mal 10 Tage ausatmen.
Druck druck druck. Die Duldung dient diesem Zweck: die Menschen sollen nachts nicht einschlafen können. Die Menschen sollen jeden Tag in der Angst leben, abgeschoben zu werden, zurückfahren zu müssen, in einem Land, wo sie sowieso von der Gesellschaft ausgeschlossen werden.

M. sagt zu mir mit der Angst in den Augen: "Weisst du, die Familie F. hat schon gepackt."

Die eine Familie blieb bis 15uhr als einzige letzte in dem Wartezimmer. Obwohl sie schon um 10uhr unten waren, wurden sie an der Seite geblieben. Es ist die eine von den Roma Familien, die in den letzten Monaten häufig in der Öffentlichkeit getreten ist: soll das etwa eine Strafe sein für ihr Engagement in der öffentlichen Sphäre?
Man spricht gerne von Mangel an Integration, Mangel von Migrantenwille sich an dem sozialen und politischen Leben der deutschen Gesellschaft zu beteiligen. Aber wenn sie es mit ganzem Herzen machen, werden sich in den Kulissen bestraft. Sie waren wahrscheinlich zu laut, zu sichbar.

Noch eine kurze Woche, mit diesem kleinen Stück Papier als einziges Beweis, das sie hier bleiben dürfen. Noch ein paar schlaflose Nächte in Billstieg, Lattenkamp und Bergedorf. Noch ein paar Fragen von den Kindern an die Eltern "Warum können wir hier nicht bleiben?"

Das fragen wir uns nämlich auch...

Kein Mensch ist illegal !

Montag, 20. Juni 2011

Während der Petitions Auschuss über Ihre Schicksale entscheidet..


Draußen vor der Tür werden die PassantInnen informiert.



weil alein zuhause zu sitzen und zu warten das über dein Leben entshieden wird,
uneträglich ist





Saljiana






7 Jugendliche voller Energie, Lachen und Kreativität die alle hierher gehören

Die Gruppe und der Jüngste

Verantwortung heisst BLEIBERECHT !



ICH BLEIBE, UND DIE ANDEREN AUCH !






der mitgebrachter koffer soll zeigen was wir nicht wollen: weg gehen müssen!
 
Alle bleiben!

Die Entscheidung wird erst Morgen bekannt gemacht...
noch eine schlaflose nacht für 10 Familien.


Samstag, 18. Juni 2011

Kundgebung mit den Roma Familien am 20ten Juni 15-16uhr

Kommt alle zur Kundgebung
Roma-Familien bleiben

am kommenden Montag, 20. Juni, 15-16 Uhr, zum Victoria-Haus, Schmiedestrasse 2 (Gebäude, in dem der Eingabenausschuss tagt)

An diesem Nachmittag werden in der Eingabenausschusssitzung um 15:30 Uhr alle Petitionen in Hamburg lebender Roma-Familien verhandelt.

Den Mitgliedern des Eingabenausschusses soll nochmals deutlich gemacht werden, dass sich viele Menschen für ein Bleiberecht der Roma-Familien, die auch selbst dort sein werden, einsetzen.
Bitte schickt diese Ankündigung über eure Verteiler und mobilisiert in euren Zusammenhängen.


Am kommenden Dienstag, 21.06., und Donnerstag, 23.06., haben 5 bzw. 4 Roma-Familien Termine in der Hamburger Ausländerbehörde. Es ist sehr wichtig, die Familien zu diesen Terminen zu begleiten. Nach der Entscheidung im Eingabenausschuss ist zu befürchten, dass Familien, deren Petitionen nicht erfolgreich sind, von Abschiebung bedroht sind. Wer Familien begleiten möchte, soll am Dienstag oder (und) Donnerstag um 8:30 Uhr ins Café Exil, Spaldingstrasse 31 (gegenüber der Ausländerbehörde) kommen.

Flüchtlingsrat Hamburg
Hamburg Antifa AG der LINKEN
GEW-Bleiberechtsausschuss
Roma-UnterstützerInnenkreis

Mittwoch, 15. Juni 2011

Presseerklärung des Hamburger Flüchtlingsrates zur Ablehnung des Antrags auf ein Bleiberecht für Roma in Hamburg durch den Innenausschuss der Bürgerschaft

Hamburg, den 14.06.2011

Am gestrigen Tag hat der Innenausschuss der Hamburger Bürgerschaft mit den Stimmen der SPD, CDU und FDP den Antrag „Abschiebungen von Roma und Sinti in die Nachfolgerepubliken Jugoslawiens“ der Partei die Linke abgelehnt. Abgelehnt wurde auch ein Antrag der GAL auf einen 6-monatigen Abschiebestopp für diese Menschen sowie ein Zusatzantrag der Partei Die Linke, vor einer Entscheidung ein Expertengremium zu der Situation der Roma in Serbien und Mazedonien zu befragen.

Die in Hamburg von Abschiebung bedrohten Roma machen seit Monaten zusammen mit Flüchtlingsorganisationen, der GEW, UnterstützerInnenkreisen und Kirchen auf ihre Situation in den Nachfolgestaaten Jugoslawiens aufmerksam. Diese ist durch eine weitverbreitete Diskriminierung gekennzeichnet. Roma sind in Serbien, Mazedonien und im Kosovo weitestgehend von der Krankenversorgung, vom Arbeitsmarkt, von der Schul- und Berufsausbildung und von anderen sozialen Leistungen ausgeschlossen. Besonders die Kinder leiden darunter. Ihnen wird dadurch ein Leben in Sicherheit und Würde verwehrt. Stattdessen müssen diese Menschen in großer Armut und sozialer Unsicherheit, die oftmals lebensbedrohliche Ausmaße annimmt, leben.

Amnesty International stellt in der Presseerklärung vom April 2011 zur Lage der Roma europaweit fest: 
„Die Menschenrechtsorganisation dokumentiert seit Jahren, wie europäische Regierungen daran scheitern, die Roma vor gesellschaftlicher und gesetzlicher Diskriminierung zu schützen. Neben Serbien verweigern auch Rumänien, Slowenien, Italien und Mazedonien den Roma das Recht auf ein Leben in Sicherheit und Würde. Tschechien, Kroatien und die Slowakei tun wenig, um Roma-Kinder in der Schule zu integrieren. Deutschland und andere europäische Staaten berücksichtigen in Asylverfahren unzureichend die Menschenrechtssituation von Roma in ihren Herkunftsländern“.

Wir bedauern zutiefst, dass sich die Hamburger Bürgerschaft und allen voran der SPD geführte Senat  außerstande sehen, diese Menschen durch eine mutige politische Entscheidung zu schützen und Ihnen ein Bleiberecht in Hamburg zu gewähren. Dies wäre ein wichtiges Zeichen im Hinblick auf eine humanere Flüchtlingspolitik gewesen, die der neue Innensenator, Herr Neumann, in Aussicht gestellt hat. 

Jetzt bleibt nur noch die Hoffung, dass, in Ermangelung einer politischen Lösung, die Situation der Roma-Familien, die Petitionen im Hinblick auf einen Abschiebeschutz und ein Bleiberecht in Hamburg an die Härtefallkommission gestellt haben, in einem großzügigen Maße berücksichtigt werden. Insbesondere im Hinblick auf die Zukunft der betroffenen Kinder ist dies dringend geboten.

Flüchtlingsrat Hamburg e.V.

Kein politischer Wille in Hamburg, ein Bleiberecht für Roma zu schaffen!




Gestern, am 14ten Juni 2011 fand die erste Sitzung des neuen Innenausschusses der Bürgerschaft Hamburgs statt. Am Nachmittag versammelten sich die Roma Familien, die im letzten März, in dem Petitionsausschuss einzelne Petitionen eingereicht haben, weil sie von Abschiebung bedroht sind. Mehrere Unterstützer_innen waren auch dabei, um solidaridarisch mit den Roma ein Bleiberecht für ALLE ROMA zu fordern. Die Kinder und Jugendliche hatten sich geschmickt und man konnte kleine deutsche Flagen auf ihre Wange sehen: noch eine Idee zu sagen, wir wollen hier bleiben! Wir gehören hierher!!







Um 16:00 fand eine Pressekonferenz der LINKE statt, in der Marjia zu Wort kam und über ihr Leben in Serbien und über die unmenschliche Lebens- und Wohnsituation berichtete. M. Yildiz, der Fraktion DIE LINKE erklärte auch über den Antrag (Abschiebestopp für Roma aus den Staaten des Ex-Jugoslawiens), den die Fraktion bei dem Innenausschuss gestellt hatte. Ebenfalls kamen Lehrerinnen und ein Mitglied des GEW-Bleiberecht-Ausschusses zu Wort und berichteten über die Roma Kinder, ihr Engagement in der Schule und ihre Teilnahme am sozialen und schulischen Leben.


Um 17:00 fing die Sitzung des Innenausschusses an, und der Antrag über die Roma Abschiebungen wurde zuerst besprochen. Alle Familien haben an der Sitzung teilgenommen.



























Der Antrag der LINKEN zur Roma Frage wurde abgelehnt. Der Antrag der GAL, erstmal für 6 Monate die Abschiebungen der Roma  auszusetzen, wurde ebenfalls abgelehnt. Auch der Antrag der LINKEN für eine Begutachtung in den Ländern, anstatt sich auf die Meldungen des Auswärtigen Amtes zu verlassen, wurde auch abgelehnt. Die Roma Familien und die Unterstützungsgruppe haben aus Protest den Raum verlassen.

Der Kampf geht weiter, denn:  ALLE BLEIBEN HIER !!!






Montag, 13. Juni 2011

Kommt morgen zur öffentlichen Innenausschuss-Sitzung in das Rathaus !

Alle ROMA bleiben hier!
Kommt zur öffentlichen Innenausschuss-Sitzung in das Rathaus

Di., 14. Juni 2011, 15.45 Uhr, Rathaus

16 Uhr Pressekonferenz, Raum R 186

17 Uhr Sitzungsbeginn, großer Festsaal

In der Innenausschuss-Sitzung wird am 14.06.11 das Thema Abschiebungsstopp
von Roma und Sinti in die Nachfolgerepubliken Jugoslawiens verhandelt
(Antrag der Fraktion DIE LINKE).

Zurzeit sind 11 Roma-Familien von Abschiebung bedroht. Die Familien haben
Petitionen eingereicht, um in Hamburg bleiben zu können. Eine Entscheidung
über diese Eingaben soll noch in diesem Monat erfolgen.

Die ROMA-Familien brauchen unsere Unterstützung.

Zeigen wir, dass sie nicht alleine sind.

- Für ein sicheres Bleiberecht für alle in Hamburg lebenden Roma;
- Wir fordern die Mitglieder des Petitionsausschusses der Hamburgischen
Bürgerschaft auf, den eingereichten Petitionen von Roma-Familien
stattzugeben;
- Wir fordern den Senat auf, auf ein Bleiberecht für Roma in Deutschland
und Westeuropa hinzuwirken.

Unterstützerrat der Roma

Flüchtlingsrat Hamburg

Antifa AG der LINKEN

GEW-Bleiberechtsausschuss

Mittwoch, 25. Mai 2011

Erzählungen bei Veranstaltung "Roma und Sinti in Hamburg von 1992 bis heute"

Ein paar Erzählungen, Zeilen, die gestern auf der Infoveranstaltung "Roma und Sinti in Hamburg von 1992 bis heute" gehört wurden....



Muci

"Ich hatte eine Stelle in Hamburg gefunden und zwar bei Pizza-Hut. Ich war zum Arbeitsamt. Sie sagten: "Das kannst du nicht machen, wir haben unsere eigene Leute, die das machen können." Und dann haben sie eine Liste rausgeholt und gezeigt: "Das kannst du machen" Auf dem Papier stand: - Toilette putzen - Boden putzen - Strassen putzen - Putzen, putzen, putzen ! Warum kann ich nicht Bäker werden, wenn ich das möchte?"

"Wir versuchen mit jeder Kraft hier zu bleiben..."

"Wir sind Leute wie alle"


Marija

"Als wir nach Serbien zurück mussten, habe ich eine Schule für meine Tochter Salijana gesucht. Ein Lehrer sagte zu mir: "Was? Sie ist 14? Die kann schon verheiratet sein, sie braucht doch keine Schule." Sie ging nie zur Schule in Serbien."

"Mein Sohn ist 12 Jahre alt und er hat immer Angst, wenn er hier in Hamburg ein Polizist auf der Strasse sieht. Ich muss ihm immer wieder sagen, dass sie uns hier nicht schlagen, nicht wie in Serbien..."

"Als wir im Lager Horst ankamen, sagten mit die Kinder: "Mama, sind wir in Deutschland? Es ist kein Deutschland, es ist ein Gefängnis hier."

                                     
Salijana

"Ich war 11 als ich in Serbien zurückkam und ich blieb bis 17. Meine Jugend, meine Kindheit habe ich in Felder verbracht, habe ich in Felder verloren."

"Ich hatte das nur noch im Kopf: wieso darf ich nicht zur Schule???"

"Ich habe jetzt ein Fuss in Deutschland und den anderen in Serbien. Und das einzige was ich weiss, ich dass ich mein zweiten Fuss nicht nach Serbien zurückziehen will sondern vorne nach Deutschland!"

"Träum nicht von deinem Leben, sondern leb' deine Träume! Das habe ich in dem Brief für die Petition geschrieben, dass passte so gut."


Shaban

"Krieg ist eine schlimme Sache. Politik ist noch schlimmer."

"Ich bin von Fleisch, Blut und Wasser, genau wie ihr alle!"

"Ich habe drei Fragen:
Woher kommen wir Roma?
Woher sollen wir hingehen?
Wo sollen wir bleiben?"

Willkommen auf der Welt Andrejas!


Am Freitag, den 20ten Mai ist Andrejas hier in Hamburg auf die Welt gekommen !
Alles ist gut gelaufen, Andrejas ist gesund und hat schon wunderschöne Haaren auf dem Kopf und zwei kleine braune lachende Augen. Seine Mama geht es auch gut. Sein Papa und seine vier grosse Schwestern, Djevrija, Sibela, Nazira und Sadja haben sich sehr gefreut ihn zuhause zu empfangen.


5 Tage alt und schon ein richtiger PIRAT aus HAMBURG !!



Sadja und Andrejas wieder zu Hause angekommen

Andrejas ist in Deutschland geboren, genauso wie viele Roma Kinder, die in Billstedt, in Bergedorf, in Lettenkamp in Wohnunterknüfte oder auch in Horst, im Flüchtlingslager wohnen müssen. Da seine Eltern keinen deutschen Pass haben, kann er nicht die selbe Chancen im Leben haben, als viele andere Kinder, die auch im Moment geboren werden. Seine ganze Familie ist tatsächlich von Abschiebung nach Mazedonien bedroht, wo sie als Roma keine Perspektive haben.

Es ist wichtig für die Zukunft von dieser Familie und unter anderen für die Zukunft von Andrejas, der sein Leben in Deutschland anfängt, einen Bleiberecht zu bekommen. Djevrija, Sibela, Nazira und Sadja lernen Deutsch und freuen sich, jeden Tag in die Schule oder ins Kindergarten gehen zu können.


Die ganze Familie (und Andrejas im Bauch von Mama) im Frühjahr 2011


Untersützen Sie die Petition von dieser Familie und geben Sie Andrejas eine Chance auf eine gerechte, stabile und glückliche Zukunft hier in Hamburg !

Unterstützen Sie die Petitionen der Roma Familien aus Hamburg und ihren Kampf für ein Bleiberecht für alle !