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Dienstag, 10. Januar 2012

Veranstaltung der Roma Gruppe am 18.01.2012 in der Schule Sankt Pauli

Stopp mit dem Packen !
Alle Bleiben !!

Mehrere Roma Familien aus Serbien und Mazedonien kämpfen seit 2010 für ein Bleiberecht in Hamburg. Ihre Kinder sind oft in Deutschland geboren und fühlen sich hier zuhause.
Unter Druck der Ausländerbehörde und als Folge der Deutschen und Europäischen Migrationspolitik wurden viele Roma bereits abgeschoben oder « freiwillig » zurückgeschickt. So zum Beispiel Tommy, (auf dem Bild) der in Belgrad ständig fragt:
« Wann fahren wir nun endlich nach Hause nach Deutschland? »

Die Roma Unterstützungsgruppe und die Roma Familien laden euch zu einem Abend in der Aula der Ganztagsschule St. Pauli ein, um zusammen zu sitzen und uns auszutauschen:


-        Live-Schaltung nach Serbien und Mazedonien mit Abgeschobenen

-        Musik von Roma Jugendliche

-        Erzählungen

-        Kaffee, Börek und andere leckere Roma Spezialitäten

-        Fotoausstellung einer Dokumentationsreise im Sommer 2011

-        Film « Invisible» von Ingvild Vetrhus über Roma in Belgrad

und noch mehr...



Wir freuen uns auf Euch

am 18.01.2012 um 19.30 Uhr in der Aula der

Ganztagsschule St. Pauli, Friedrichstraße 55

20359 Hamburg

Montag, 21. November 2011

Artikel in der TAZ Marijas Brief

18.11.2011 Hamburg

Marijas Brief

Sie ist 15, gut integriert - und ohne Zukunft in Deutschland: Die Serbin Marija Kurtic hat einen Brief an die Hamburger Abgeordneten geschrieben. Doch die stimmten gegen sie. Teil II der taz.nord-Serie über das Leben von Flüchtlingen.von Emilia Smechowski


Hat das Pech, "freiwillig" ausgereist zu sein: Marija Kurtic. Bild: Miguel Ferraz

HAMBURG | taz Sie haben sich ein Blatt Papier genommen, mit Bleistift Hilfslinien gezeichnet, bei jedem Großbuchstaben haben sie mit dem Füller einen kleinen Schnörkel gemacht, und am Ende die Linien wieder wegradiert. Dann haben sie den fertigen Brief 121 Mal kopiert und verschickt. "Liebe Abgeordnete", steht da, "wir sind Marija und Salijana Kurtic. Wir sind 15 und 18 Jahre alt." Der Brief ist eine Petition, eine Bitte an die Hamburger Politik, in Deutschland bleiben zu dürfen.

Doch auch diese Bitte wird wohl keinen Erfolg haben. Familie Kurtic Duldung ist vor einer Woche abgelaufen, ihre erste Petition hat die Hamburger Bürgerschaft schon abgelehnt, jetzt können sie jederzeit abgeschoben werden. Marija lacht, in ihren Augen glitzert es, und man fragt sich, ob das Tränen sind. Hier im Flüchtlingslager Billstedt im Hamburger Osten wohnen sie zu fünft in zwei Zimmern, der kleine Bruder ist gerade am Schlagzeug, die Eltern bei der Anwältin. "Sie wollen nichts unversucht lassen", sagt Marija. Familie Kurtic stammt aus Serbien, sie sind Roma, die Kinder wurden in Deutschland geboren. 2003 mussten sie schon einmal zurück. Sie hatten bei der Ausländerbehörde unterschrieben, dass sie "freiwillig" ausreisten, nur so war es ihnen möglich, irgendwann wieder nach Deutschland zu kommen. Wer einmal abgeschoben wurde, muss für immer wegbleiben. In den sieben Jahren in Serbien haben die Kinder kaum Serbisch gelernt, die meisten Schulleiter wollten sie nicht aufnehmen. "Es ist, als würde auf meiner Stirn immer ,Roma' stehen", sagt Marija. Einmal, auf einem Gemüsemarkt im südserbischen Leskovac, kamen zwei Männer auf sie zu. Sie boten ihren Eltern 2.000 Euro. Für beide Töchter. Ein paar Wochen später machten sie sich wieder auf nach Deutschland, "nach Hause", sagt Marija.

Seit fünf Monaten wohnen sie in diesem Flüchtlingsheim, die Kinder besuchen die Gesamtschule in Mümmelmannsberg, Marija die neunte Klasse. "Mathe und Deutsch laufen sehr gut", sagt sie, "nur Physik und Chemie machen manchmal Probleme." Oft wird sie gefragt: "Kommst du aus Rom?" Marija lacht. "Dann sage ich, ich bin Zigeunerin."

Wenn sie ihre Hausaufgaben fertig hat, nimmt sie am liebsten mit ihrer Schwester den Bus, der einmal die Stunde fährt, zum Billstedt-Center. Dann durchstreifen sie gemeinsam H&M und New Yorker, probieren Kleider an und schießen Fotos von sich. Eins hängt im Schlafzimmer über ihren Betten, sie tragen darauf bodenlange, tief ausgeschnittene Abendkleider, unter ihren Achseln hängen noch die Preisschilder.

Kindergeschrei dringt vom Hof, ihr Wohnzimmer ist vollgestellt mit alten Möbeln, die der Flüchtlingsrat besorgt hat. Von den zwei Fernsehern funktioniert einer, Marija hat das RTL-Nachmittagsprogramm zu Beginn des Besuchs auf stumm gestellt.

Sie sagt, sie fühle sich wohl hier im Heim in Billstedt. Vier Neubauten mit Laubengängen umgeben in der Mitte einen Spielplatz, etwa die Hälfte der Bewohner sind Kinder. Hier habe sie Freundinnen, auch aus Serbien, auch Schwestern, auch 15 und 18 Jahre alt. Sie gehen gemeinsam auf die Kundgebungen, die der Flüchtlingsrat organisiert. Oder auf den Hamburger Dom. Dann fahren sie auf dem "Höllenblitz" und essen Schoko-Bananen.

Es ist etwa einen Monat her, ein Mittwochabend, da saß Marija mit ihrer Familie in der Hamburger Bürgerschaft. Es hieß, sie müssten sich gedulden, ihr Petitionsantrag sei der letzte Punkt auf der Tagesordnung. Gegen 22 Uhr stellten sich Männer von der Security hinter sie, und plötzlich ging alles sehr schnell. Eine Nummer wurde aufgerufen, ein kurzes "Wer stimmt dagegen?", Hände gingen nach oben und, zack, die Petition war abgelehnt. "Ich hab' mich so anders gefühlt, die Politiker haben geguckt, als wär ich eine Gefahr für die, als würde ich sie gleich mit irgendetwas bewerfen", sagt Marija. Dass die neue Petition, die nur sie und ihre Schwester betrifft, mehr Erfolg hat, daran glaubt sie nicht mehr.

Statistiken gehen von 700 bis 1.000 Sinti und Roma aus, die in Hamburg leben und akut von Abschiebung bedroht sind. "Man merkt, dass man ständig irgendwohingedrückt wird, wo man nicht hin will", sagt Marija. Die Mutter ist in Therapie, mittlerweile greift sie zu Antidepressiva.

Regelmäßig versuchen Initiativen, ein dauerhaftes Bleiberecht für Roma durchzusetzen. Vergeblich.
Nach der Sitzung ist Marija mit ihrer Schwester zu Michael Neumann gelaufen, dem Innensenator von der SPD. Sie haben sich vor ihn gestellt und gefragt, warum sie nicht in Deutschland bleiben dürfen. Sie seien doch hier geboren, sie würden Deutsch perfekt sprechen und Serbisch fast gar nicht, sie seien doch integriert. "Aber der Neumann hat die ganze Zeit so politisch geredet, er hat nie so eine richtige Antwort gegeben, sondern Wörter benutzt, die ich nicht verstehe", sagt Marija. Dann habe er noch gesagt, dass sie ja nicht ganz plötzlich abgeschoben würden. Ein bis zwei Wochen im Voraus würde ihnen Bescheid gegeben.

Flüchtlingsgeschichten handeln immer vom Kommen, Gehen und Bleiben. Wer gehen muss und wer bleiben darf und wer sich noch gedulden muss, bis endgültig über ihn entschieden wird, das regelt das BAMF, das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. 2010 gingen bundesweit mehr als 48.000 Asylanträge über den Tisch, da kann nicht jedes Einzelschicksal angemessen abgewogen werden, auch nicht das der minderjährigen Flüchtlinge.

Wer als Kind nach Deutschland kommt, integriert sich besser, lernt schneller Deutsch, kann eine Ausbildung absolvieren oder ein Studium, arbeiten und Steuern zahlen. Laut Ausländerbehörde leben in Hamburg 1.240 Jugendliche, die sich noch im Asylverfahren befinden oder geduldet werden. Im letzten Jahr haben die deutschen Innenminister beschlossen, den gut integrierten von ihnen ein eigenes Bleiberecht zu ermöglichen. Im Juli dieses Jahres trat das neue Gesetz in Kraft. Wer sechs Jahre lang in Deutschland gelebt und "erfolgreich" die Schule besucht hat, darf bleiben, auch wenn sein Asylantrag abgelehnt wurde. Marija Kurtic hat die ersten sieben Jahre in Deutschland gelebt, doch danach sieben in Serbien. Das Gesetz kann sie nicht schützen.

"In Serbien erwartet uns nichts, außer Armut, Elend und Sorgen. Bitte geben Sie uns wenigstens die Möglichkeit, einen Abschluss zu machen und schieben Sie uns nicht vorher ab", steht in dem Brief. Darunter hat sie fein säuberlich unterschrieben.

Man könnte es auch einen Abschiedsbrief nennen

http://www.taz.de/!82211/

Dienstag, 23. August 2011

Innenminister erzeugen erzwungenes Schulschwänzen durch "freiwillige" Abschiebung

21. August


Die letzte Station unserer Reise zu unseren Freunden bzw. deren Familien führt uns nach Mazedonien. Hier in Kumanovo wollen wir die Familie von Sebo kennenlernen. Er und seine Familie zählen auch zu den zehn, über die der Petitionsausschuss vor einer Woche negativ entschieden hat.
In Kumanovo suchen wir die Roma-Straße, so hat Sebo uns gesagt. Hinter dem Busbahnhof. Unsere Fragen nach der Roma-Straße und wo wir sie finden, werden von den Leuten auf der Straße zögerlich oder gar nicht beantwortet. Aufgrund Sebos guter Beschreibung aber finden wir es und zeigen die Bilder der Familie. Sofort steigt ein junger Mann zu uns in den Bus und zeigt uns in dem Gewirr der verwinkelten, kleinen Straßen mit halbfertigen Häusern und elenden Hütten, immer zwischendrin ein kleiner Marktstand, den Weg zu Sebos Familie. In einer kleinen halbverfallenen Hütte lebt sein Bruder mit seiner Familie, insgesamt 8 Leute.


Es gibt nur einen kleinen Raum und davor eine Nische. Neben der Hütte ist ein schmaler Gang. Dort sammelt die Familie alte Kleider und versucht sie, auf dem Markt oder als Lumpen zu verkaufen. Es gibt hier nichts, keine Möbel, keine Küchenutensilien. Gekocht wird in der kleinen Nische.

Plätze bieten uns die Freunde an – auf alten umgedrehten Eimern, Plastikkisten oder leeren Getränkekisten, das sind die Sitzmöbel. Es ist für uns bereits kaum vorstellbar, wie die 10 Leute in dieser kleinen winzigen Ecke Armut leben. Wie aber soll das gehen, wenn Sebo mit seiner Frau und seinen fünf Kinder noch dazu kommen sollte. Bevor Sebo und seine Familie nach Deutschland gekommen ist, haben sie alle zusammen mit 4 Erwachsenen und 9 Kindern in diesem Zimmer gelebt.... und wenn Deutschland ihn abschiebt, wird er hierher zurückkehren müssen.
Die fotos die wir mitgebracht haben ,der verwandte aus Deutschland werden stolz gezeigt
spricht perfekt deutsch , darf nicht in Kumanovo zur Schule.
Wir treffen die kleine Tochter eines Nachbarn, ca. 10 Jahre alt. Sie spricht uns auf deutsch an. Sie war mit ihrer Familie sechs Monate in Deutschland und ist dort zur Schule gegangen, wie sie uns freudig berichtet. Hier geht sie nicht mehr zur Schule. Kein Geld, keine Schule. So sagt sie. Ihr Bruder steht neben ihr und nickt voller Freude zustimmend, auf die Frage, ob er auch deutsch könne und in Deutschland zur Schule gegangen sei.

Diesen Kindern hat der deutsche Staat ihre Zukunft gestohlen. Wie sollen sie sich aus dem Elend befreien, wenn sie noch nicht einmal lesen und schreiben lernen dürfen?
In Deutschland müssen Eltern von Schulschwänzern Strafen bezahlen. Wir fordern, dass die deutschen Innenminister und Beamten der Ausländerbehörden, die Kinder zu erzwungenen Schulschwänzern machen, indem sie sie abschieben oder „freiwillig“ ausreisen lassen, hohe Strafen bezahlen müssen. Dann wäre sicher bald genug Geld da, dass diese Kinder wieder zur Schule gehen können......